Debatte um Impfpflicht für Lehrkräfte nimmt Fahrt auf

In etwa drei Wochen enden die Sommerferien in Berlin, und in der Hauptstadt pulsiert derzeit das unbeschwerte Leben. Doch Virologen und Politiker warnen, dass dies im Herbst vorbei sein könnte. Delta ist auf dem Vormarsch – und das ist nur eine der Virusvarianten. Jetzt bringen Experten und Politiker eine Impfpflicht für Lehrer und Erzieher ins Gespräch.

Normaler Schulstart ist geplant

Die Schulen sollen ab dem 6. August geöffnet werden – natürlich je nach Infektionslage. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie jedenfalls hofft auf einen „normalen“ Start nach den Sommerferien. Geplant ist Präsenzunterricht – mit Einhaltung der Hygieneregeln. Außerdem sollen sich Lehrer und Schüler testen lassen. Luftfilteranlagen sollen ebenso helfen, das Coronavirus fernzuhalten. Doch ob das alles wirklich gelingen kann, stellen viele inzwischen infrage. Ein Grund dafür ist, dass das Impfen nur schleppend vorangeht. Außerdem läuft nach wie vor die Debatte darum, ob auch 12- bis 16-Jährige geimpft werden sollen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Immunisierung lediglich für Jugendliche mit Vorerkrankung.

Und nun hat gerade diese Stiko-Empfehlung eine Debatte entfacht. Geht es nach dem Humangenetiker und Medizinethiker Wolfram Henn, Mitglied des Deutschen Ethikrats, sollte es eine Impfpflicht für Lehrkräfte und Erzieher geben. Diese sollte vor allem Kinder unter zwölf Jahren schützen, sagte der Medizinethiker an der Universität des Saarlands der „Rheinischen Post“. Der Vorsitzende des Weltärztebundes Montgomery unterstützt die Forderung nach einer Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen.

Die “faktische” Impfpflicht für Kita-Beschäftigte könnte kommen

Zustimmung kommt von der Opposition im Abgeordnetenhaus. Der bildungspolitische Sprecher der Berliner CDU, Dirk Stettner, sagte, es werde zu einer faktischen Impfpflicht kommen werde. Mit oder ohne Gesetz. Undiskutabel findet die Impfpflicht-Debatte dagegen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Die Bundesvorsitzende Maike Finnern: „Angesichts der Gleichbehandlung aller ist die Debatte um eine mögliche Impfpflicht für Beschäftigte in Kitas und an Schulen für die GEW nicht nachvollziehbar. Wir sind gegen eine Impfpflicht.“ So sehen es auch der Landeselternausschuss und viele Lehrer. Wie Tobias M. aus Schöneweide. Der Grundschullehrer: „Auch Lehrer und Erzieher dürfen die Entscheidung, sich impfen zu lassen, ebenso individuell und aus einer persönlichen Situation heraus treffen wie alle anderen auch. Der Druck einer Impfpflicht ist hier nicht notwendig.“

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit der Berliner Zeitung.

Datum: 22. Juli, A.-K. Palmer/BAB, Foto: Bild: Getty Images/Chad Baker/Jason Reed/Ryan McVay