Der Braune Bär und das Licht

Der Schmetterling des Jahres fällt Straßenbeleuchtung zum Opfer.

Schmetterlinge sind wunderschön anzusehen, stechen nicht, krabbeln nicht herum und es gibt sie in den faszinierendsten Farben. Sie sind die wohl beliebtesten Insekten überhaupt. Während Eintagsfliege oder Mücke schnell der Fliegenklatsche zum Opfer fallen, käme man bei einem Schmetterling wohl nie auf die Idee, ihn einfach zu töten. Und doch gelten 80 Prozent der insgesamt 3.700 in Deutschland heimischen Schmetterlingsarten als bedroht, denn die Falter hegen häufig sehr hohe Ansprüche an ihre Umgebung. Die Bestände gehen dramatisch zurück, weil ihre Lebensräume verändert, zerstört und vergiftet werden. Der Bund NRW Naturschutzstiftung kürt bereits seit 2003 den Schmetterling des Jahres, um öffentlich auf die besondere Bedrohung dieser Insekten hinzuweisen. Den Titel darf in diesem Jahr der Braune Bär tragen.

Zu allererst sei erwähnt, dass bei Schmetterlingen zwischen Tag- und Nachtfaltern unterschieden wird. Der Braune Bär gehört zu den Nachtfaltern, also zum weitaus größeren Teil der Schmetterlinge. Mit der Wahl des Braunen Bären zum Schmetterling des Jahres soll auf die negativen Folgen der Lichtverschmutzung hingewiesen werden. In ganz Deutschland kommt der Braune Bär immer seltener vor und steht auf der Vorwarnliste der bedrohten Tiere. Neben der Lichtverschmutzung sind auch die Intensivierung der Landwirtschaft, der Wegfall von Hecken und Feldgehölzen in der Landschaft und der Flächenverbrauch Ursachen für den Rückgang der Art.

„Die Braunen Bären werden von nächtlichen Lichtquellen angelockt und flattern dann orientierungslos bis zur Erschöpfung um sie herum“, erklärt Jochen Behrmann von der Naturschutzstiftung des Bund NRW. Neben den direkten Verlusten gehe den Insekten so wertvolle Energie und Zeit für Partnersuche und Fortpflanzung verloren, und Fressfeinde wie Fledermäuse haben ein leichtes Spiel.

Lichtverschmutzung sorgt für Gefahr

Wie die meisten nachtaktiven Insekten kann sich der Braune Bär bei schwachem Mond- oder Sternenlicht gut orientieren. Dagegen blendet speziell das grelle blaue Licht von den Hochdruck-Quecksilberdampflampen der Straßen- und Industriebeleuchtung die Tiere stark. Diese Lampen sollten daher zeitweise ausgeschaltet oder durch Natriumdampflampen und moderne sparsame LED ersetzt werden, die wenig oder gar kein blaues Licht abstrahlen, wird seitens des Bund NRW vorgeschlagen.

Leuchtende Hinterflügel

Die Falter zählen mit einer Flügelspannweite von bis zu 65 Millimetern zu den größeren Nachtfaltern. Die Oberseite der Vorderflügel ist dunkelbraun mit einem großmaschigen weißen Muster. Die Hinterflügel dagegen sind leuchtend rot mit runden blauschwarz gefärbten Punkten. Mit zusammengelegten, braun-weißen Vorderflügeln sind die Falter im Gewirr von Ästen mit Licht und Schatten hervorragend getarnt, wenn sie tagsüber etwa an Baumstämmen rasten. Durch blitzschnelles Öffnen der Vorderflügel zeigen die Falter die roten Hinterflügel mit den dunklen „Augen“ und können so Fressfeinde wie Vögel erschrecken und selbst entkommen, aber auch an ihre Ungenießbarkeit erinnern, denn die Körperflüssigkeit der Falter enthält giftige Stoffe. Die Braunen Bären haben ihren Namen von der dichten, meistens bräunlichen „bärenartigen“ Behaarung der älteren Raupen. Wenn diese Bärenraupen sich gestört fühlen, weisen sie außerdem eine tapsige, an Bären erinnernde Fortbewegungsweise auf.

www.bund-nrw-naturschutzstiftung.de

Datum: 3. Juli 2021, Text: Sara Klinke, Bild: IMAGO / blickwinkel