Heilpflanze des Jahres: Eine echt scharfe Wurzel

Meerrettich ist die Heilpflanze des Jahres.

Diese Schärfe hat es in sich: Schon kleine Mengen Meerrettich sind gut für die Gesundheit.

Der Meerrettich hat gerade Saison. Die Kreuzblütenpflanze blüht von Mai bis Juli und kann bis zu 1,50 Meter hoch werden. Wer sich also auf die Suche nach der Heilpflanze des Jahres 2021, die vom Verein NHV Theophrastus gekürt wurde, machen möchte, hat genau jetzt die Gelegenheit dazu. Seine Erntezeit liegt zwischen Oktober und Januar.

Gleich ums Eck

Ein bekanntes Anbaugebiet der scharfen Wurzel ist gleich in der Berliner Nachbarschaft zu finden: der Spreewald. „In Klein Klessow vor den Toren der Stadt Lübbenau wird der Spreewälder Meerrettich angebaut. Wir sind der einzige Landwirtschaftsbetrieb, der diese traditionelle Sorte noch kultiviert und der Erhalt liegt uns sehr am Herzen“, sagt Gemüseanbauer Dirk Richter in einer Broschüre des NHV Theopastrus.

Und die Leidenschaft ist dringend nötig, wurde der Spreewälder Meerrettich im Jahr 2018 doch von der Unesco als aussterbende Pflanzenart bewertet. Die Setzlinge für die neue Saison werden im Spreewald „Schwiegatze“ genannt. Neben dem Spreewald sind die bekannten Anbauorte im deutschsprachigen Raum noch in Franken, der Region Baden sowie in der Steiermark in Österreich zu finden. Ansonsten wird der Meerrettich innerhalb von Europa beispielsweise in Ungarn und Serbien angebaut, außerhalb von Europa in den USA, Südafrika und China.

Therapeutische Wirkung

„Meerrettich schmeckt scharf.“ So sagt man. Aber stimmt das? Unsere Geschmacksrezeptoren im Mund nehmen fünf Geschmacksrichtungen wahr: süß, bitter, salzig, sauer und umami (würzig, herzhaft-intensiv). Schärfe wirkt jedoch nicht auf Geschmacks-, sondern auf Schmerz- und Wärmerezeptoren. Das löst Gefäßerweiterung und vermehrte Schweißbildung aus, was wiederum den Körper kühlt. Wahrscheinlich wird gerade deshalb in heißen Ländern häufig scharf gegessen.

Eine Folge der intensiveren Durchblutung ist auch ein geschmacksverstärkender Effekt. Besser müsste es also heißen: „Meerrettich ist scharf“ oder „Meerrettich wirkt scharf“. Die Wurzel kann mit einem beachtlichen Gehalt an Vitaminen C, B1, B2 und B6 aufwarten. Außerdem sind Mineralien wie Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen enthalten. Von großer Bedeutung sind die Senfölglykoside. Meerrettich ist daher nützlich bei Harnwegsinfektionen, Erkrankungen der Atemwege, Nasennebenhöhlenentzündungen, Mandelentzündungen und grippalen Infekten.

Eine Einnahmemenge von täglich 20 Gramm der frischen Meerrettichwurzel zeigt bereits therapeutische Wirkung. Da diese Dosis jedoch auch Magen- und Darmschleimhäute reizen kann, ist es sinnvoll, erst mit geringeren Mengen zu testen, wie viel man verträgt. Die Einnahme soll nicht länger als vier bis sechs Wochen erfolgen.

Leckere Speisen

Meerrettich lässt sich gut in leckere Speisen einbinden. Eine Meerrettichsuppe etwa ist schnell gemacht, gesund und schmeckt hervorragend. Für zwei Portionen zwei Zwiebeln und drei Kartoffeln schälen, schneiden und im Topf dünsten. Mit einem Liter Gemüsebrühe ablöschen, 20 Minuten köcheln lassen und pürieren. Dann drei Esslöffel geriebenen Meerrettich und 150 Milliliter Sahne dazugeben, mit Salz und Muskat abschmecken und gehackte Petersilie aufstreuen.

Für Meerrettichbutter werden unter 150 Gramm weiche Butter 50 Gramm frisch geriebener Meerrettich gerührt und ein Teelöffel Dill. Die Butter kann man mit Hilfe von Alufolie zu einer Rolle wickeln und 15 Minuten in das Gefrierfach legen. Danach aus der Folie nehmen, in Dill wälzen und in Scheiben geschnitten anrichten. Meerrettichbutter passt aufs Brot, aber auch zu Folienkartoffeln.

Datum: 21. Juni 2021, Text: Sara Klinke, Bild: IMAGO/cegli