Tom Sello erinnert an die Opfer des Volksaufstands am 17. Juni

Vor 68 Jahren gingen rund eine Million Menschen in Ost-Berlin und in mehr als 700 Orten der DDR auf die Straße. Zunächst richtete sich der Protest gegen eine Erhöhung der Arbeitsnormen.

Weitere Forderungen kamen schnell dazu: Verbesserung der Lebensbedingungen, das Ende des SED-Regimes, freie, geheime und direkte Wahlen, die Freilassung politischer Gefangener, die Zulassung demokratischer Parteien und die Einheit Deutschlands. Sowjetische Panzer setzten dem Volksaufstand ein blutiges Ende: Mindestens 55 Menschen wurden getötet, 15.000 weitere wurden verhaftet, rund 1.500 von ihnen später verurteilt. Sowjetische Standgerichte erschossen 18 Menschen, zwei Todesurteile fällten DDR-Gerichte.

Die Proteste waren Anfang der späteren Freiheitsbewegung

Zum Jahrestag des Volksaufstands in der DDR erklärt der Berliner Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Tom Sello: „Der 17. Juni 1953 war ein demokratischer Volksaufstand gegen die kommunistische Diktatur. Das Datum markiert den Anfang einer Entwicklung, die mehr als drei Jahrzehnte später zur Friedlichen Revolution in der DDR führte.“

 

Sello erinnert an die rund eine Million Demonstrantinnen und Demonstranten, die vor 68 Jahren in der gesamten DDR auf die Straße gingen. „Was mit Protesten gegen Normerhöhungen begann, entwickelte sich über Nacht zu einer Freiheitsbewegung. Doch ihren Mut mussten viele teuer bezahlen. Die sowjetische Besatzungsmacht schlug den Aufstand brutal nieder. Deshalb gedenken wir am 17. Juni der Mutigen, die jahrelang inhaftiert waren oder sogar ihr Leben im Kampf für die Freiheit ließen.“

 

Handlungsbedarf in der Erinnerungskultur 

An die Adresse der Politik richtet der Berliner Aufarbeitungsbeauftragte die Aufforderung, sich stärker für die Belange der Opfer der SED-Diktatur einzusetzen. „Bei einigen Bundesgesetzen ist eine Nachjustierung notwendig. Das betrifft zum Beispiel die Anerkennung von verfolgungsbedingten Gesundheitsschäden oder die Rehabilitierung von DDR-Heimkindern.“ Auch bei der Erinnerungskultur sieht Sello Handlungsbedarf. Nötig sei mehr Engagement des Landes Berlin bei der Weiterentwicklung des Campus für Demokratie auf dem Gelände der früheren Stasi-Zentrale und bei der Entwicklung des Hafttraktes in der Keibelstraße zum Erinnerungsort.

 

Der Berliner Aufarbeitungsbeauftragte fordert auch, die Geschichte der DDR stärker im Schulunterricht zu verankern. „Dafür ist es notwendig, an den Universitäten entsprechende Lehrveranstaltungen zur DDR-Geschichte für angehende Pädagoginnen und Pädagogen anzubieten. Sonst findet das Thema DDR später im Unterricht nicht statt.“

 

Zum Gedenken an den Volksaufstand legt Tom Sello am 17. Juni um 9 Uhr am Bodendenkmal vor dem Bundesfinanzministerium einen Kranz nieder. Im Anschluss hält der Berliner Aufarbeitungsbeauftragte die Gedenkrede im Abgeordnetenhaus. Am Nachmittag trifft er die neue Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur, Evelyn Zupke, zu einem ersten Gedankenaustausch. Am Abend nimmt Sello am Festakt der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien „Transformation des Stasi-Unterlagen-Archivs“ teil. Dabei wird der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR, Roland Jahn, verabschiedet.

 

Datum: 16. Juni 2021, Text: red, Bild: IMAGO / Piero Chiussi