Schlafmohn und seine Drogen

Schlafmohn ist die Giftpflanze des Jahres 2021. Schlafmohn liefert Opium und die Saatkörner werden als Backzutat eingesetzt.

Um den Schlafmohn, die Giftpflanze des Jahres, kursieren viele Kuriositäten.

Der Schlafmohn wurde, initiiert vom Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg), zur „Giftpflanze des Jahres“ gewählt. Auf Platz zwei findet sich der Stechapfel, Platz drei belegte der Rhododendron, der vierte Platz ging an den Efeu, und den fünften Platz konnte sich die Seerose sichern. Alle Pflanzen dieser Kategorie teilen die Eigenschaft, dass einige Pflanzenteile keine für den menschlichen Körper giftigen Stoffe enthalten oder aber die giftigen Stoffe durch zum Beispiel Erhitzen zerstört werden können.

Viele Kuriositäten

Wer an Mohn denkt, denkt meist sofort an Drogen, Rauschgift oder Opium. Erst dann kommt einem der leckere Mohnkuchen oder das Mohnbrötchen in den Sinn. Es ist jedoch die gleiche Pflanze, die die Rohstoffe liefert: der Schlafmohn. Die Saatkörner, die sich in dieser Kapsel befinden, sind jedoch so gut wie frei von diesen Alkaloiden. Sogar Kinder können bedenkenlos diese Saatkörner verzehren. Logisch also, dass eine Vielzahl von Kuriositäten rund um den Schlafmohn kursieren.

Anbau verboten

Schlafmohn kommt in Zentralasien, Kleinasien im Mittelmeergebiet sowie in Mitteleuropa vor. Schlafmohn ist manchmal vereinzelt verwildert oder als Zierpflanze in Gärten anzutreffen, wobei der Anbau illegal ist und mit Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren geahndet werden kann. Ausnahmen von diesem Verbot können beantragt werden. Der Grund für das Anbau-Verbot ist der hohe Gehalt an Opiaten, die zumeist aus dem Milchsaft der Pflanzen gewonnen werden. Opium ist im Grunde nichts anderes als getrockneter Milchsaft des Schlafmohns, auch Heroin wird aus der Pflanze hergestellt. Beide Drogen fallen unter das Betäubungsmittelgesetz – und damit auch der Schlafmohn. Morphium entstand um 1800, als erstmals ein aus Opium isoliertes Alkaloid benannt wurde.

Vergiftungserscheinungen können sein: Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit, reaktive Euphorie, Dämpfung von Funktionen des zentralen Nervensystems, verlangsamte Atmung, Atemlähmung, Übelkeit, Erbrechen, Hirn- und Lungenödem, psychische Unruhe. Bei dem geringsten Verdacht einer Vergiftung sollte man sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben. Schlafmohn ist auch giftig für Pferde, Hunde und Katzen, vermutlich auch für diverse andere Tiere. Wer Mohn nur als Zierpflanze im Garten kultivieren möchte, dem sei statt des verbotenen Schlafmohns der Anbau von anderen, erlaubten Mohnsorten wie beispielsweise den in hübschen Orangetönen blühenden Goldmohn empfohlen.

Speisen mit Mohn

Aus Bäckereien und Küchen dagegen ist Mohn kaum wegzudenken. Mohnkuchen, Mohnbrötchen – ohne Mohnkörner undenkbar. Und völlig unbedenklich. Denn die Saatkörner des Schlafmohns enthalten keine oder nur einen verschwindend geringen Anteil an den giftigen Opiaten. Deshalb können die aromatischen Sämereien in der Küche oder Backstube verwendet werden. Der Besitz von Mohnsämereien übrigens wird nicht durch das Betäubungsmittelgesetz verboten. Durch Kaltpressung der Samen wird Mohnöl gewonnen, das mit seinem intensiv nussigen Geschmack gerne für Salate und andere Kaltgerichte sowie in Kosmetikprodukten verwendet wird.

Schlafmohn steht zwischen Juni und August in der Blüte und kann bis zu einem Meter hochwachsen. Das Opium befindet sich zwischen Juli und September in der Porenkapsel. Mehr Infos gibt es hier

Datum: 12. Juni 2021, Text: Sara Klinke, Bild: IMAGO/Gottfried Czepluch