Berlin: Eine Stadt auf Schatzsuche

Die Hauptstadt freut sich über zwei neue Museen und eine Wiedereröffnung.

Mit dem schönen Wetter und gelockerten Corona-Beschränkungen kommt endlich wieder Leben in die Berliner Bude. Berlins Tourismusexperten haben sich den passenden Slogan einfallen lassen: „Endlich wieder. Berlin.“ Dies sei, so heißt es auf dem Internetportal von visit berlin, nicht nur der Name der neuen Kampagne, sondern umschreibt treffend das aktuelle Lebensgefühl vieler Berliner. Die dürfen sich mit zunehmend sinkenden Pandemie-Zahlen endlich auch viele kulturelle Einrichtungen, wie die weltberühmten Berliner Museen, zurückerobern.

Vom 5. bis 7. Juni, jeweils 11 bis 18 Uhr, ist die Neue Nationalgalerie für die Öffentlichkeit zugänglich. Besucher können das noch leere, unbespielte Museumsgebäude besichtigen. Zu sehen sind dann Werke von Veronika Kellndorfer und Michael Wesely, die die Neue Nationalgalerie vor und während der Sanierung fotografiert haben. Freuen dürfen sich alle Kunstinteressierten, wenn ab dem 22. August erstmals wieder die Hauptwerke der Klassischen Moderne aus der Sammlung der Nationalgalerie unter dem Titel „Die Kunst der Gesellschaft“ gezeigt werden.

Umfassendes Bildungsprogramm

Mit Spannung erwartet wird die Öffnung des Humboldt Forums fürs „nomale“ Publikum. In der zweiten Juni-Woche sollen dessen Innenhöfe mit Gastronomie und Shop zugänglich gemacht werden. Im Sommer werden dann die Ausstellungen nach und nach geöffnet. In der Beletage ist die Dauerausstellung „Berlin global“ zu sehen, die die Wechselbeziehungen zwischen Berlin und der Welt beleuchtet. Im gleichen Geschoss befindet sich auch das Humboldt Labor, Forschungsstation und Ideenwerkstatt der Humboldt-Universität mit umfassendem Bildungsprogramm. Der Schlosskeller führt durch die 800-jährige Geschichte des Ortes.

Großes Faultier

Vor allem die Jüngsten (und deren Familien) dürfen sich auf die Eröffnung der Kinderwelt „Anoha“ im Jüdischen Museum in der zweiten Juni-Hälfte freuen. Der Name steht für die Erzählung zur Arche Noah: 15 Künstler haben 150 fantasievolle Tierskulpturen entworfen – sie sind mal Klettergerüst, mal Liege, mal Instrument. Die Spanne reicht von der Riesenanakonda bis zum Pelikan. Die Räume liegen im Komplex der W. Michael Blumenthal Akademie gegenüber dem Jüdischen Museum. Als ein Erkennungszeichen hängt ein großes Faultier an der Fassade. Der Eintritt ist frei.

Weiter Bogen

Ab dem 5. Juni können die ersten Standorte des Stadtmuseums Berlin wiedereröffnet werden. Den Auftakt machen das Museumsdorf Düppel in Zehlendorf und das Museum Nikolaikirche in Mitte. Das Museumsdorf mit rekonstruierten Wohnhäusern, Gärten, Wiesen und Feldern widmet sich als Freilichtmuseum der mittelalterlichen Geschichte und Besiedlung der Region in der Zeit um 1200. Das Museum Nikolaikirche spannt den Bogen der Berliner Stadtgeschichte vom Mittelalter ab circa 1200 bis in die Gegenwart.

Renommierte Sammlung

Die Ausstellung „Scratching the Surface“ im Hamburger Bahnhof macht auf die drohende Lücke in der Kunstwelt der Hauptstadt aufmerksam. Die könnte entstehen, wenn die renommierte Sammlung des Unternehmers Friedrich Christian Flick Berlin verlässt, falls die sie beherbergenden Rieckhallen abgerissen werden sollen. Im Zentrum der Sammlung stehen Werke des US-amerikanischen Künstlers Bruce Nauman. Daneben gehören dazu zentrale Arbeiten von Andy Warhol, Sol LeWitt, Nam June Paik oder Pipilotti Rist. Zu den deutschen Künstlern zählen Sigmar Polke, Gerhard Richter.

Datum: 2. Juni 2021, Text: Manfred Wolf, Bild: kubix berlin gmbh