Steglitz-Zehlendorf: Flüchtlingsunterkunft am Dahlemer Weg ist vom Tisch

Dahlemer-Weg-Berlin-Fluechtlingsunterkunft

Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf muss ein neues Grundstück für den Bau einer modularen Flüchtlingsunterkunft finden. Der bisher vorgesehene Standort am Dahlemer Weg 247 in Lichterfelde ist laut Senat nicht geeignet.

Grund hierfür sind die Ergebnisse der umfangreichen naturschutzrechtlichen Untersuchungen von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz aus dem Jahr 2020, hieß es aus Senatskreisen. Sie stellen einen großen Artenreichtum in der Grünanlage fest. Beispielsweise kommt hier die seltene Weinbergschnecke vor.

Die Bürgerinitiative Lebenswertes Lichterfelde spricht von einem “Etappensieg der Natur” und von einem “Grund zur Freude”. Mehr als drei Jahre lang hat das Bündnis gegen eine Flüchtlingsunterkunft auf dem verwilderten Grundstück gekämpft. 

Sebastian Czaja macht sich Hoffnung für Heckeshorn

Steglitz-Zehlendorfs FDP-Chef Sebastian Czaja begrüßt die Entscheidung der Landesregierung und beglückwünschte die Bürgerinitiative. Die Entscheidung mache Hoffnung für Heckeshorn, wo der Senat “ebenfalls gegen die erklärten Bedenken von Anwohnern, Behörden und Umweltschützern auf Biegen und Brechen Flüchtlingsunterkünfte durchsetzen will”. „Wenn am Dahlemer Weg die Vernunft siegen kann, ist das auch am Heckeshorn möglich“, so der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus. 

Für Czaja stellt sich die Frage, wieso der Bezirk bereits frühzeitig geäußerte Bedenken von Naturschützern bei der Auswahl der Grünanlage nicht berücksichtigt habe. “Da hätte man den betroffenen Anwohnern viel Aufregung und Ärger und dem Bezirksamt viel zusätzliche Arbeit ersparen können.”

Das Bezirksamt hat den ökologischen Wert der Grünanlage am Dahlemer Wert wiederholt relativiert. Naturschutzrechtliche Bewertungen hätten ergeben, dass die Wertigkeit des Grundstücks vom südlichen Bereich an der Goerzallee in Richtung Norden abnehme, erklärte Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) im September 2018.

Gerald Bader, Vorsitzender der Linksfraktion Steglitz-Zehlendorf zeigt sich wenig überrascht von der Entwicklung: „Wir haben die Nennung dieses Standortes immer kritisch gesehen. Es war von vorneherein klar, dass eine Bebauung aufgrund der Vielfalt der Natur schwierig sein würde. Trotzdem war dies das einzige
Areal, das das Bezirksamt benannt hat, obwohl es aufgefordert war, zwei Grundstücke zu benennen.“

Modulare Unterkunft am Osteweg

Alle Bezirke seien von Senatsseite gebeten worden, je zwei Grundstücke zu nennen, auf denen Unterkünfte für Geflüchtete errichtet werden können. Steglitz-Zehlendorf sei dieser Bitte nicht nachgekommen und habe nur ein Grundstück genannt. Die Senatsverwaltung musste selbst ein weiteres Grundstück im Bezirk suchen und entschied sich für den ebenfalls in Lichterfelde gelegenen Osteweg. Dort werden im Juni mehr als 200 Menschen einziehen können. Gegen den Bau der Modularen Unterkunft gab es Proteste.

Bader: „Es muss jetzt alles für eine gute und freundliche Aufnahme der Menschen am Osteweg getan werden.“ Darüber hinaus erwarte die Linksfraktion, dass Richter-Kotowski und das Bezirksamt die Suche nach einem Ersatzstandort für den Dahlemer Weg “mit Priorität verfolgen”.

Datum: 20. Mai 2021, Text: Nils Michaelis/ast, Archivbild: IMAGO/tagesspiegel