Ein Berliner Schüler vereint Tausende Corona-Helfer im Netz

Das Web-Projekt CoronaPort.net des Zehlendorfer Schülers Noah Adler vermittelt kostenlos Helfende in der Krise.  Der Erfolg ist riesig. Vor wenigen Tagen wurde sein Projekt  für den Kinder- und Jugendpreis des Deutschen Kinderhilfswerkes nominiert.

Im Frühjahr 2020 hatte der damals 15-jährige Noah Adler eine wirklich simple und höchst hilfreiche Idee, um der Angst vor der damals wachsenden Corona-Gefahr etwas entgegen zu stellen. Aus der Idee entstand seine Website „CoronaPort.net“. Hier können sich freiwillige Helferinnen und Helfer registrieren, um Hilfe beispielsweise beim Einkaufen, beim Gassigehen mit dem Hund oder bei der Kinderbetreuung Hilfesuchenden anzubieten.

Der Abiturient aus Zehlendorf sortiert mit dieser Webseite viele der Hilfsangebote und Hilfsgesuche, die es im Netz bereits gibt, auf einem eigenen Portal. 250.000 Nutzerinnen und Nutzer haben die Website in den vergangenen 14 Monaten bereits besucht und weit über 6.000 Menschen aus ganz Deutschland haben ihre Kontakte und Hilfsangebote hier hinterlassen. Vor wenigen Tagen wurde sein Projekt für den Kinder- und Jugendpreis des Deutschen Kinderhilfswerkes nominiert. Der Preis ist mit insgesamt 30.000 Euro der höchstdotierte seiner Art in Deutschland.

Einfache Online-Techniken

„Der Bau der Site ist technisch gesehen gar nicht mal so anspruchsvoll gewesen“, erklärt Noah. Jeder mit ganz normalen HTML- und JavaScript-Kenntnissen wie man sie beispielsweise auf Youtube lerne, könne so etwas auch installieren. Man müsse sich nur etwas einfuchsen. „An den Stellen, wo ich technisch nicht weiterkam, habe ich in Web-Tutorials nachgeschaut oder in Fachforen nachgefragt. Da gibt es immer Spezialisten, die bei anspruchsvollen Aufgaben mitknobeln und gerne helfen“, erzählt der Schüler, der später Medizin studieren und Arzt werden möchte. Die eigentliche Idee zu CoronaPort sei ihm auf der Suche nach irgendetwas Sinnvollem gekommen, als im März 2020 der erste Lockdown und eine längere schulfreie Phase bevorstand. „Damals habe ich darüber gegrübelt, was ich mit der vielen Zeit anfangen soll“, erklärt der Abiturient. „In der Zeitung habe ich dann über Senioren und ihre Sorgen im Alltag zu Corona-Zeiten gelesen“, erinnert sich Noah.

Die Idee eines passenden Auffangsystems, einer Art Branchenbuch der Alltagshilfe, war schnell gefunden. „Es gab ja kein Amt, oder ein Unternehmen, dass die Sorgen dieser Menschen abfedern konnte“, erklärt der Schüler mit den Abi-Leistungsfächern Biologie und Englisch. „Mein Projekt hilft den Leuten jetzt nicht nur ganz konkret, Dinge zu erledigen. Die Website ist auch Motivation für andere Jugendliche, so ein Projekt auf den Weg zu bringen“, erklärt Noah, der selbst neben der Programmiererei noch viele andere Hobbys hat. „Ich betreibe Krav Maga – ein Kampfsport zur Selbstverteidigung, schwimme gerne, helfe als Mitglied in der DLRG, spiele Tennis und lerne derzeit auch ein wenig Klavier“, erläutert er. Die Freude am Programmieren habe er tatsächlich bei seiner inzwischen verstorbenen Oma entdeckt. „Die besaß regalweise Software und Geräte für Ton- und Schnitttechnik. Über sie habe ich den Einstieg in die Webprogrammierung bekommen“, erinnert er sich.

Jetzt wird die Weiterentwicklung geplant

An dem Projekt CoronaPort will er auch in der kommenden Zeit weiterstricken. „Dafür suche ich selbst noch Hilfe und vor allem gute Ideen, um die Seite noch sinnvoll zu ergänzen. Eine Co-Finanzierung dafür zu bekommen wäre toll. Außerdem suche ich Programmierer, Fotografen und Texter, die sich einbringen wollen. Angebote nehme ich gerne über den Kontakt auf meiner Website entgegen“, sagt Noah, der seine letzte Abiturprüfung am vergangen Montag abgelegt hat. Er selbst hat sich auch als Helfer auf seinem Portal eingetragen. „Bislang hat sich darauf noch niemand gemeldet. Aber das kann ja noch kommen“, sagt er, und sieht nun der Preisverleihung des Deutschen Kinderhilfswerkes entgegen. Die findet am 27. September im Freizeitpark Rust statt. Eine Jury, bestehend aus Kindern und Jugendlichen entscheidet dann über die Gewinner aus den Kategorien Solidarisches Miteinander, Politisches Engagement und Kinder- und Jugendkultur. Es winken dann bis zu 6.000 Euro Preisgeld.

Datum: 17. Mai 2021,Text und Bild: Stefan Bartylla