Neues Quartier in Spandau: Verkehrschaos rund um Insel Gartenfeld befürchtet

Insel Gartenfeld Berlin Spandau

Auf der Insel Gartenfeld sollen ab Ende kommenden Jahres rund 3.700 Wohnungen entstehen. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr bleibt vorerst provisorisch. Politiker befürchten ein Verkehrschaos im Osten von Spandau.

Es ist eines der größten Wohnungsbauprojekte Berlins: Auf der Insel Gartenfeld ist ein familienfreundliches und vielseitiges “Smart City Quartier” geplant. Auf einer Fläche von 370.000 Quadratmetern soll Wohnraum für bis zu 7.000 Menschen entstehen. Der geplante Baustart ist der Herbst 2022. Und das ist nicht alles: Die alten Industriehallen sollen gewerblichen, kulturellen und sozialen Events Raum bieten. Hinzu kommt ein Schulcampus für mehr als 1.300 Schülerinnen und Schüler.

Vor gut zehn Jahren begannen die ersten Planungen für den neuen Megakiez. Doch noch immer gibt es kein abgeschlossenes Nahverkehrskonzept. Verkehrs-Staatssekretär Ingmar Streese (Grüne) musste dafür jetzt im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses deutliche Kritik einstecken. Nicht nur für die langwierigen Verkehrsplanungen, sondern auch für deren aktuellen Stand.

Straßenbahnen rollen hier frühestens im Jahr 2031

Und der sieht so aus: Voraussichtlich im Jahr 2029 soll die frühere S-Bahn-Verbindung zum Bahnhof Gartenfeld (“Siemensbahn”) wieder den Betrieb aufnehmen. Eine vom Senat geplante neue Tramverbindung – sie wird aller Voraussicht nach über eine noch zu bauende Brücke zur Rhenaniastraße führen – soll frühestens im Jahr 2031 startklar sein. Wo genau die Tram durch das neue Quartier rollen soll, ist aber noch völlig offen. Streese kündigte für kommendes Jahr eine “Trassenbewertung” an. Bis die Schienenanbindung steht, sollen Busse, darunter eine Expressbuslinie, die Insel Gartenfeld ansteuern und mit dem S- und U-Bahnnetz verbinden.

“Die Ausführungen von Herrn Streese waren ausweichend und enttäuschend”, erklärte der Spandauer Abgeordnete Daniel Buchholz (SPD) nach der Sitzung des Ausschusses. “Alle wichtigen Erschließungs-Entscheidungen sind noch nicht finalisiert.” Seit dem Jahr 2015 würden die Verkehrsplanungen laufen. Kürzlich habe die Senatswirtschaftsverwaltung mitgeteilt, dass zwischen den drei neuen Quartieren Insel Gartenfeld, Siemens-Campus und Urban Tech Republic ein autonomer Shuttleservice entwickelt werden soll. “Vielleicht kann das in Teilen Entlastung bringen”, so Buchholz.

CDU: Planungszeitraum auf ein Drittel reduzieren

Nicht nur Buchholz befürchtet ein “Verkehrschaos mit Ansage” in dem Gebiet. Kritik kam während der Sitzung auch aus der CDU-Fraktion. Der CDU-Abgeordnete Stefan Evers bezeichnete das Tempo der Verkehrsplanungen als unzumutbar. Bei künftigen Projekten müsse der Zeitraum auf ein Drittel oder die Hälfte reduziert werden. Der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto schlug vor, Tramtrassen künftig im Bebauungsplan festzulegen, anstatt später gesonderte Studien in Auftrag zu geben.

Streese rechtfertigte die Verzögerungen unter anderem mit langwierigen Debatten darüber, ob S-Bahn und Tram über die Wasserstadt bis nach Hakenfelde fortgeführt werden oder auf der Insel Gartenfeld enden sollen. Eine endgültige Entscheidung zur Siemensbahn ist laut Medienberichten für Ende kommenden Jahres zu erwarten.

Datum: 15. Mai 2021, Text: Nils Michaelis, Bild: IMAGO/Jürgen Ritter