Berlin-Lichterfelde: Hier startete vor 140 Jahren die erste Straßenbahn der Welt

Strassenbahn-Berlin-Lichterfelde

Am 16. Mai 1881 fuhr die erste elektrische Straßenbahn mit Fahrgästen in Lichterfelde. Es war nicht nur der Beginn der Ära der „Elektrischen“ in der deutschen Hauptstadt, sondern weltweit. Heute ist die Tram wieder im Kommen.

Gründervater dessen, was wir heute E-Mobility nennen, war der Erfinder und Unternehmer Werner von Siemens. Bereits 1879 hatte er auf der Berliner Gewerbeausstellung die erste brauchbare elektrische Lokomotive der Welt präsentiert. Zwei Jahre später war er es auch, der die neue Technik buchstäblich auf die Straße und zu den Menschen brachte. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern „rauschte“ seine Bahn auf der 2,5 Kilometer langen Strecke durch das damalige Groß-Lichterfelde, wie die BVG wissen lässt. Wo alles begann, am Bahnhof in Lichterfelde Ost in Steglitz-Zehlendorf, erinnert heute ein kleines Denkmal an die Geburtsstunde vor 140 Jahren.

Die „Elektrische“, wie die Berlinerinnen und Berliner sie bald liebevoll nannten, wurde rasch schneller. Und sie wuchs schnell, hielt Schritt mit dem rasanten Tempo der boomenden Stadt. Bereits um den Jahrhundertwechsel war das Schienennetz mehr als 400 Kilometer lang. Allein die „Große Berliner Straßenbahn“, das mit Abstand bedeutendste der unterschiedlichen, damals bestehenden Straßenbahnunternehmen, zählte im Jahr 1902 auf 71 Linien bereits 295 Millionen Fahrgastfahrten, so die BVG.

Straßenbahn als Triebfeder der Stadtentwicklung

Ihren Höhepunkt erreichte die Straßenbahn in Berlin zwischen den beiden Weltkriegen. Nach Unterlagen im BVG-Archiv wurde bereits 1918 eine Rekordzahl erzielt, die die Gesamt-BVG erst fast 100 Jahre später wieder erreichen sollte: mehr als eine Milliarde Fahrgastfahrten. Der Geschäftsbericht für das Jahr 1929 zählt wiederum beeindruckende Zahlen zu Netz und Fahrzeugpark auf. Auf mehr als 1300 Gleiskilometern fuhren 93 Linien. Fast 4000 Trieb- und Beiwagen waren in Berlin im Einsatz.

“Diese Zahlen zeigen, wie eng verzahnt die Stadt und ihre Verkehrsmittel schon immer waren”, so die BVG.  Für Berlin war und ist die Straßenbahn auch ein Spiegelbild der Stadtgeschichte. Sie war das Verkehrsmittel für die Menschenmassen der Gründerzeit und damit eine entscheidende Triebfeder der Stadtentwicklung. Und doch: Im Westteil Berlins schien im Oktober 1967 ihr endgültiges Ende mit der letzten Fahrt bereits besiegelt. Doch etwa zur gleichen Zeit erlebte sie im östlichen Teil der Stadt bereits ihren nächsten großen Aufschwung, als Rückgrat des Verkehrs bei der Entwicklung neuer Wohngebiete.

Neue Strecken sind in Planung

Rund 195 Kilometer Länge misst das Berliner Straßenbahnnetz heute. Mit deutlich wachsender Tendenz. Neue Strecken sind in Planung oder bereits im Bau. So etwa in Adlershof oder zwischen Hauptbahnhof und U-Bahnhof Turmstraße.

Eva Kreienkamp, Vorstandsvorsitzende der BVG: „Die Straßenbahn hat eine große Vergangenheit, vor allem aber eine große Zukunft. Auf dem Weg zur Klimaneutralität kommt dem umweltfreundlichen Nahverkehr eine zentrale Rolle zu. Leistungsfähige, elektrische Schienenbahnen bilden dabei das Rückgrat.”

Datum: 15. Mai 2021, Text: red/nm, Bild: BVG-Archiv