Berliner Südwesten: Wird die Havelchaussee doch nicht zur Fahrradstraße?

Nach dem Veto aus dem Bezirksparlament Steglitz-Zehlendorf rückt nun auch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von der Umwidmung der Havelchaussee in eine Fahrradstraße ab.

Die Havelchaussee ist bei Radfahrern eine gefragte Strecke. Sie nutzen sie unter anderem, um zu einer der vielen Havel-Badestellen oder zum Grunewaldturm zu gelangen. Im Gegensatz zum autofreien Kronprinzessinnenweg müssen sich Radler die Havelchaussee jedoch mit Autofahrern teilen, die den Abschnitt oftmals als Abkürzung zur A100 nutzen. Dabei kommt es nicht selten zu gefährlichen Überholmanövern.

Die Linke-Fraktion im Bezirksparlament von Charlottenburg-Wilmersdorf forderte deshalb bereits im vergangenen Jahr, die Havelchaussee zur reinen Fahrradstraße umzuwidmen. Zeitgleich wurde eine Online-Petition gestartet, die sich für die Umwandlung der „schönsten und beliebtesten Radstrecke der Stadt“, wie es darin heißt, in eine Straße nur für Radfahrer einsetzt. Doch daraus scheint erst einmal nichts zu werden. In einem Interview mit der „Berliner Morgenpost“ kündigte der zuständige Stadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) an, die Forderung nicht mehr verfolgen zu wollen.

Mehr Busse, weniger Autos

Laut Beschluss sollte sich das Bezirksamt bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz dafür einsetzen, dass die Zuständigkeit für die Havelchaussee an die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf übergeht. Anschließend sollte die Sperrung der Straße für den motorisierten Durchgangsverkehr erfolgen.

Während der Senat bereits Zustimmung zu dem Vorhaben signalisiert hatte, scheiterte eine ähnliche Forderung im Bezirksparlament Steglitz-Zehlendorf an den Stimmen von CDU, FDP, AfD und Enthaltung der Grünen. Nun will scheinbar auch das Bezirksamt in Charlottenburg-Wilmersdorf nicht mehr mitziehen.

Chance verpasst

„Statt hier ein weithin sichtbares Zeichen für eine echte Verkehrswende zu setzen, lässt Schruoffeneger das Vorhaben beim kleinsten Widerstand des Nachbarbezirks und trotz positiver Signale der Senatsverwaltung fallen. Statt sich hinter dem negativen Votum in Steglitz-Zehlendorf zu verstecken, sollte versucht werden, die laute Forderung der Bürgerinnen und Bürger in einer Petition und unseren BVV-Beschluss gemeinsam mit dem Senat umzusetzen“, kritisiert der Sprecher für Klimaschutz und Verkehr der Linksfraktion im Bezirk, Sebastian Dieke.

Seine Fraktionskollegin Frederike-Sophie Gronde-Brunner fordert nun von der zuständigen Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz erneut, die Forderung nach einer Sperrung für den motorisierten Durchgangsverkehr umzusetzen. Außerdem soll eine Erhöhung der Bustaktung dafür sorgen, dass die Badestrände auch ohne Auto bequem erreicht werden können. Ein schneller Umstieg auf Busse, Bahnen und das Fahrrad seien unumgänglich für den Kampf gegen die Klimakrise.

Datum: 14. Mai 2021, Text: kr, Symbolbild: IMAGO/Waldmüller