Digitale Fotoausstellung: Berlin 1945

Buchkunst Berlin zeigt virtuell Bilder von Valery Faminsky.

Zum Gedenken an den Jahrestag der Befreiung von Nationalsozialismus und Faschismus am 8. Mai zeigt die Galerie Buchkunst Berlin den gesamten Mai eine virtuelle Ausstellung mit den weltweit bekannten Aufnahmen des sowjetischen Frontfotografen Valery Faminsky, zu sehen bis zum 31. Mai. Kuratiert wurde diese von Ana Druga und Thomas Gust.

An der Front

Faminsky gelangte mit den ersten Soldaten am 22. April 1945 in das umkämpfte Berlin. Seine eigentliche Aufgabe war die Dokumentation der medizinischen Versorgung und Logistik von Transporten verwundeter Soldaten für die Militärmedizinischen Institute der Roten Armee. Faminskys Fotografien schildern ohne jede Propaganda und ohne jedes Pathos, dafür mit einem zutiefst humanistischen Blick, die völlig zerstörte Stadt, die erschöpfte Bevölkerung und den Alltag der russischen Truppen. Faminsky zeigt in seinen Bildern die tiefe Sehnsucht nach Frieden. Und sein Interesse galt immer den individuellen Schicksalen von Menschen auf beiden Seiten der Front: Fremdarbeiter auf dem Weg in die Heimat, deutsche Flüchtlinge, Zivilisten auf der Suche nach Angehörigen, Lebensmitteln und Wasser. Ein Alltag zwischen den Ruinen, der aus extremen Lebenssituationen besteht. In diesen Bildern begegnen sich Menschen, nicht Sieger und Besiegte.

Seine Aufnahmen haben Ana Druga und Thomas Gust, welche die Entdeckung des Archives Valery Faminskys von Anfang an begleiteten so sehr beeindruckt, dass sie 2018 den Verlag „Buchkunst Berlin“ gründeten und die Fotografien in einem umfangreichen Bildband „Berlin Mai 1945 – Valery Faminsky“ veröffentlichten, der unter anderem mit der Silbermedaille des Deutschen Fotobuchpreises ausgezeichnet wurde.

Virtuelle Führung am 30. Mai

Der Besuch der virtuellen Ausstellung ist kostenlos. Am 30. Mai findet zudem eine Online-Führung mit dem Verleger und Fotografie-Experten Thomas Gust statt. Dabei wird als besonderer Gast auch Arthur Bondar anwesend sein und erzählen, wie er das Archiv von Valery Faminsky in 2016 entdeckte. 

Datum: 12. Mai 2021, Text: red., Bild: IMAGO / Achille Abboud