Berlins Sportvereine schlagen Alarm

Fehlende Einnahmen, sinkende Mitgliederzahlen: Berlins Sportvereine leiden unter den Folgen der Pandemie. Vor allem der Kinder- und Jugendsport ist betroffen. Der Senat will mit der Verlängerung seines „Rettungsschirm Sport“ gegensteuern. 

Auf den Sportplätzen der Stadt, also dort, wo sonst Fußballmannschaften kicken, wo geturnt, gelaufen oder gespielt wird, herrscht seit mehr als einem Jahr überwiegend Stillstand. Vor allem Berlins Amateurvereine leiden unter fehlenden Einnahmen und sinkenden Mitgliederzahlen. Gleichzeitig wächst die Sorge um Kinder und Jugendliche, die sich in Lockdown-Zeiten deutlich weniger bewegen als sie es normalerweise tun.

Der Senat will nun gegensteuern. Ende April gab er bekannt, sowohl das Hilfsprogramm „Offensive Sportmetropole“ für Profivereine und Traditionsveranstaltungen wie den Berlin Marathon starten als auch den „Rettungsschirm Sport“ in diesem Jahr fortsetzen zu wollen. Somit stehen weiterhin sechs Millionen Euro für den Breitensport zur Verfügung. Von diesen konnten bereits im vergangenen Jahr viele Amateurvereine wie der SV Rot-Weiß Viktoria Mitte 08 profitieren. „Wir sind dankbar für den ,Rettungsschirm Sport’. Vor allem auch für die Organisation und kostenfreie Bereitstellung von Selbsttests, die im April vom Landessportbund-Rettungsschirm gestartet wurde“, erzählt Marina Biebl vom Vorstand des 2008 gegründeten gemeinnützigen Sportvereins. Mit dem Geld konnte dieser zudem ein Lüftungsgerät kaufen und obendrein Zuschüsse zu Einnahmeverlusten geltend machen.

Sinkende Mitgliederzahlen

Doch der Mitgliederverlust lässt sich dadurch nicht aufhalten. Waren Anfang Januar 2020 noch 3.480 Hobbysportler Mitglied bei Rot-Weiß Viktoria Mitte, zählte der Vorstand knapp zwölf Monate später nur noch 2.770 Mitglieder. Seit Januar haben weitere 200 ihre Mitgliedschaft beendet. Dabei hat der Verein bereits im ersten Lockdown auf die Veränderungen reagiert und unter anderem Online-Sportkurse unter dem Namen „Viktoria Live“ auf die Beine gestellt. Doch digitale Angebote könnten Sport und das Vereinsleben nicht ersetzen, erklärt Biebl.

Bewegungsmangel mit Folgen

Vor allem Kindern und Jugendlichen mangelt es an der sonst so regelmäßigen Bewegung, die eine Mitgliedschaft im Verein mit sich bringt. „Gerade bei ihnen ist der Drang nach Bewegung sehr groß. Außerdem brauchen sie die sozialen Kontakte auch über den Sport. Seit langer Zeit fehlt den Kindern und Jugendlichen beides“, so Biebl. Ausgerechnet bei dieser Altersgruppe hätte es prozentual die meisten Austritte gegeben. Auf eine baldige Verbesserung der Situation, vor allem zum Wohle der jungen Mitglieder, hofft auch der Sportverein Berliner Verkehrsbetriebe 49, der neben Leichtathletik, Fußball und Tischtennis auch Volleyball anbietet. Gelder des Rettungsschirms haben sie noch nicht beantragen müssen, erzählt der Vorstand. „Unsere finanzielle Situation ist gesund.“ Dafür haben sie einen virtuellen Stammtisch ins Leben gerufen, bei dem die Neuausrichtung des Vereins nach Corona besprochen wird.

Gegen den Stillstand

Weiter südlich, beim FC Viktoria 1889, kann man sich über schwindendes Interesse an einer Mitgliedschaft derzeit nicht beklagen. Grund dafür dürfte insbesondere der Aufstieg der 1. Herren-Mannschaft in die Dritte Liga sein. Einnahmeneinbußen verzeichnete der Fußballclub dennoch. „Für uns brachen vor allem unsere Angebote im Schul- und Projektsport sowie im Bereich Feriencamps weg. Für diese fehlenden Einnahmen haben wir vergangenes Jahr Gelder beantragt, konnten mit denen aber bei Weitem nicht die Einbußen auffangen“, heißt es vom Verein auf unsere Anfrage. Vielerorts wecken die steigenden Temperaturen und sinkenden Corona-Fallzahlen nun Hoffnung auf Lockerungen im Breitensport. Auf diese hoffen auch die Verantwortlichen beim FC Viktoria: „Nach so langer Zeit ist es dringend erforderlich an Lösungen und nicht an Stillstand zu denken.“ 

Datum: 12. Mai 2021, Text: Katja Reichgardt, Bild: Bild: IMAGO/Zink