Hoffnung auf neue Räume für Jugendzentrum „Potse“

Potse Räumung
Das Jugendzentrum „Potse“ in Tempelhof-Schöneberg soll am 19. Mai geräumt werden. Der neue Standort könnte bald am Flughafen Tempelhof sein – sofern die Räumung friedlich verläuft. 
In den 80er-Jahren begann die Geschichte des selbst verwalteten Jugendzentrums „Potse“ in der Potsdamer Straße 180. Am 19. Mai könnte sie zu Ende sein. Doch die Besetzer des Jugendzentrums „Potse“  wollen nicht aufgeben – trotz des nun festgelegten Räumungstermins. Sie wollen erst Ersatzräume zugesichert bekommen. Dieser könnte nun gefunden worden sein. Die “Zollgarage” auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof ist angedacht. Ein Angebot des Bezirks, andere Räumlichkeiten zu benutzen, hatte das selbst verwaltete Projekt vor wenigen Monaten abgelehnt.
 

Adäquater Ersatz gesucht

 
Den Räumungstermin habe man nun mitgeteilt bekommen, erklärte ein Sprecher des selbst verwalteten Projekts am vergangenen Sonntag. Der Erhalt alternativer Jugendkultur werde kompromisslosem Profitstreben untergeordnet, hieß es in der Mitteilung. „Wir halten weiterhin an unserer Forderung fest, die Potse erst zu verlassen, wenn uns und dem Drugstore adäquate Ersatzräumlichkeiten geboten werden.“
 
Ein Angebot des Bezirks für einen Ersatzraum für Konzerte und Bandproben lehnte das selbst verwaltete Projekt im Januar ab. In den vorgeschlagenen 120 Quadratmeter großen Räumen fehle es an Platz, da sich die „Potse“ die Räumlichkeiten mit dem Jugendprojekt Drugstore teilen müsse, sagte ein Sprecher gegenüber der Tageszeitung „taz“.
 

Flughafen Tempelhof als neuer Standort

Unterdessen hat Jugendstadtrat Oliver Schworck bekanntgegeben, dass er das Vorhaben des Senats, dem Jugendzentrum Potse die “Zollgarage” auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof zur Verfügung zu stellen, unterstützt. Er hat deshalb am 5. Mai 2021 eine Verpflichtungserklärung zur Mietkostenübernahme für das Objekt unterzeichnet und dem Senator für Stadtentwicklung und Wohnen Sebastian Scheel übergeben.

Der Bezirk ermöglicht damit, dass der Senat schnellstmöglich und unmittelbar eine Vereinbarung mit dem Jugendzentrum Potse zur Nutzung der Räumlichkeiten schließen kann. Die Verpflichtung steht unter dem Vorbehalt, dass die Potse die Räume in der Potsdamer Straße 180 aufgibt oder sich jedenfalls am 19. Mai 2021 gewaltfrei räumen lässt. Schworck dazu: “Ich hoffe, dass mit der Selbstverpflichtung des Bezirks der Weg zu einer schnellen und friedlichen Lösung frei wird. Jegliches Misstrauen des Kollektivs gegenüber dem Bezirk sollte damit ausgeräumt sein.”

Demonstrationen gegen die Räumung

 
Das Landgericht hatte im vergangenen Sommer entschieden, dass das Projekt die besetzten Räume verlassen müsse. In der Potse und in der Kneipe Drugstore fanden regelmäßig Punkkonzerte statt. 
 
Ein neuer Eigentümer des Hauses hatte dem Bezirk, als Mieter und zugleich Vermieter  des langjährigen Jugendclub gekündigt. Immer wieder demonstrierten seitdem junge Menschen für den Erhalt der „Potse“. Zeitweise war es auch zu Besetzungen anderer Räume gekommen.
 

Datum: 5. Mai 2021, Text: red, Bild: IMAGO/Joko