Mittelalterliche Latrine bleibt auf der Fischerinsel

Die Latrine kam bereits 2016  bei archäologischen Ausgrabungen zum Vorschein. Jetzt wurde sie mittels Schwerlastkran von ihrem Originalfundort in ein Zwischenlager neben der Baugrube umgesetzt.

Nach Abschluss der geplanten Neubauarbeiten kommt der Fund aus dem Mittelalter laut Senatsverwaltung in die Grünanlage östlich des Neubaus. Dort können Interessierte das historische Bauwerk – geschützt durch einen Pavillon – sehen.

Funde in fünf Metern Tiefe

In den vergangenen  Wochen hat ein Team von Restauratoren das Steinbauwerk „reisefertig“ vorbereitet. Damit das fragile Objekt den Transport unbeschadet überlebt, waren zunächst zahlreiche Sicherungsmaßnahmen nötig. Dazu gehört unter anderem das Festigen des Mörtels, ein Verfugen von Rissen und besonders eine stabile Verpackung und Aussteifung.

Die WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH baut auf der Fischerinsel derzeit 210 Mietwohnungen. Sie sollen im Sommer 2023 bezugsfertig sein. Neben Wohnraum entstehen an dieser Stelle auch neue Flächen für Gastronomie, Läden und eine Kita. Im Vorfeld der Bauarbeiten kamen 2016/17 und aktuell erneut in Restflächen wie üblich die Archäologen zum Einsatz, denn an einem geschichtsträchtigen Ort wie der Fischerinsel – einer der mittelalterlichen Keimzellen der Doppelstadt Berlin/Cölln – ist immer mit interessanten Funden zu rechnen. Bis in knapp fünf Metern Tiefe waren Fundamente, Keller von Gebäuden, Hof- und Wegebefestigungen, Brunnen und die Latrine erhalten, deren älteste Spuren bis in die Stadtgründungszeit um 1200 zurückgehen.

 

„Damit diese wichtigen Zeugnisse der Geschichte nicht ungesehen zerstört werden, müssen sie rechtzeitig vor Baubeginn sorgfältig dokumentiert und die Funde geborgen werden. Dass ein ganzes Bauteil – in diesem Fall eine komplette Latrine – erhalten wird, ist eine Besonderheit“, sagte Landeskonservator Dr. Christoph Rauhut. Er sei dankbar für den verantwortungsbewussten Umgang mit dem historischen Erbe der Stadt.

Datum: 3. Mai 2021, Text: red., Bilder: Fritz W. Zimmermann/ archaeofakt (Eberhard Völker)