Oberschöneweide: Umbau in den Rathenau-Hallen startet

Denkmalgeschützte Hallen der ehemaligen AEG Transformatorenwerke werden fachgerecht saniert und erweitert. Ein Urbanes Quartier mit öffentlichem Uferweg, Marktplatz und Gastronomie soll an historischem Industrieort entstehen.

Seit Jahren stehen große Flächen der denkmalgeschützten Rathenau-Hallen in Oberschöneweide leer. Einige Lager- und Logistikräume werden hier noch genutzt und vereinzelte Werkstätten und Ateliers befinden sich in den riesigen Hallen.

Große Flächenerweiterungen durch Einbau von Stahlwerk 

Doch dies soll sich nun ändern: Der neue Eigentümer BaseCamp wird in wenigen Monaten mit der Instandsetzung und Re­vitalisierung des denkmalgeschützten Areals beginnen. Im Rahmen der Sanierung der Gebäude, die aus ein- bis mehrschiffigen Produktions- und Lagerhallen, Stock­werksfabriken und ehemaligen Verwaltungsgebäuden bestehen, ist auch eine Erweiterung der aktuell 58.096 Quadratmeter auf insgesamt 85.000 Quadratmeter Nutzfläche geplant. Diese soll durch den Einbau frei­tragender Stahlwerkskonstruktionen innerhalb der Hallen sowie durch die Errichtung von vier Neubauten in um­weltfreundlicher Holz-Hybridbauweise nach Plänen des renommierten Berliner Architekturbüros Tchoban Voss erfolgen.

Großer Umbau in den nächsten vier Jahren

Die ersten Sanierungsarbeiten könnten bereits in diesem Jahr beginnen, bis 2025 soll das Quartier denk­malgerecht saniert und mit neuem Leben erfüllt sein.

Geplant wird das Quartier in zwei Teilen: Den Bereich Rathenau-Hallen Office, der im westlichen Abschnitt des Quartiers ge­werbliche Nutzungen wie Büros, Gastronomie und Ate­liers umfasst, und den östlichen, ca. 14.600 qm großen Bereich BaseCamp Campus. Dieser umfasst ein junges und urbanes Hostel- und Beherbergungsangebot mit rund 490 Zimmern für Berufsreisende ansässiger Unternehmen, Dozenten und Studenten der nahegelege­nen Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin).

Auch der Bau einer Tiefgarage mit Elektroladepunkten werden  derzeit geprüft. Daneben sind mehr als 700 oberirdische Fahrradstell­plätze vorgesehen.

Ehemaliges Kraftwerk bleibt der Mittelpunkt

Den Mittelpunkt des Campus‘ soll das BaseHub im Kraftwerksgebäude mit CoWor­king-, Freizeit- und Gemeinschaftsflächen sowie Atelier- und Ausstellungsbereichen darstellen. Mit einer Rezeption, Bibliothek, CoWorking Spaces, Kino und Atelierflächen sowie Startup- Büros soll das ehemalige Kraftwerk mit seinem urbanen Industrie-Chic und einem entsprechenden gastronomi­schen Angebot den Mittelpunkt des kreativen Lebens auf dem BaseCamp Campus bilden.

Uferpromenade und Einzelhandel sollen das Projekt ins Quartier einbetten

Im Außenbereich soll entlang der Spree ein neuer, öffentlich gesicherter Uferweg gebaut werden. Ein Marktplatz wird hier künftig für Wochenmärkte oder kultu­relle Veranstaltungen offenstehen, Sportgeräte für Jung und Alt sollen Bewegung an der frischen Luft mit Blick auf das Wasser ermöglichen.

„Wir wollen zudem die Wilhelminenhofstraße durch Einzelhandel und Gastronomie stärken, etwa mit Cafés oder einem Bäcker. Und auch ein Nahver­sorger bleibt nach der Sanierung der Gebäude natürlich vor Ort“, sagt Saidah Bojens, Leiterin Projektentwicklung Deutschland bei BaseCamp.. „Durch die Ufepromenade verkürzen wir den Weg zum nächstgelegenen S-Bahnhof Schöneweide und erhöhen so auch die Akzep­tanz für den ÖPNV im gesamten Quartier“, führt Saidah Bojens aus. Auch für eine Erschließung per Schiff, etwa durch einen Elektro-Wasserbus, wären die Bauherren offen. Vorteilhaft für die Quartiersentwicklung wirke sich zudem auch die Nähe zum BER aus: „Vom BER kommend sind wir für alle Reisenden der erste zentrale und authenti­sche Ort Berlins“, sagt Bojens.

 Denkmal- und Klimaschutz spielen eine große Rolle

Trotz der Aufwendung größerer Summen in den Erhalt der denkmalgeschützten Hallen seit dem Ankauf 2019 durch BaseCamp sei der verbesserungswürdige Zustand der über 100 Jahre alten Gebäude in den vergangenen Monaten aufgefallen: „Die Glasdächer der Hallen sind einfach ver­glast und undicht, die Stahlkonstruktion aus dem Baujahr 1898 korrodiert und die Technik stammt überwiegend aus den Anfängen der DDR“, erklärt Bojens und ergänzt: „Wir haben das Areal in diesem Zustand übernommen und werden die Hallen denkmalgerecht sanieren und auch dabei auch energetisch auf den neuesten Stand bringen. Unser Ziel ist es, mit einem sehr innovativen Energiekonzept auch ein CO2- neutrales Quartier zu entwickeln.“  Alle Planungen seien dazu  in enger Abstimmung mit der be­zirklichen Stadtentwicklung und dem Denkmalschutz erarbeitet worden und wurden bereits vom Bezirksdenk­malrat Treptow-Köpenick positiv zur Kenntnis ge­nommen.

Datum: 2.April 2021, Text: red / ylla, Bild Tchoban Voss Architekten, D02irk Laessig