Der grüne Stadtausflug: Ein Mekka für Gartenfreunde

Nahe der Königsheide liegen die Späth’schen Baumschulen – der älteste und einst größte Gartenbetrieb Europas. Die von Gärtnermeister Christoph Späth bereits 1720 eröffnete Obst- und Gemüsegärtnerei ist heute ein geschichtsträchtiges Bau- und Gartendenkmal.

Der studierte Botaniker, Geologe, Nationalökonom und Philosoph Hellmut Späth hatte den Betrieb 1912 übernommen und ihm mit seinem Fachwissen zu internationalem Ruhm verholfen. Noch heute hat hier ein weltweit verbreitetes Ur-Saatgut seine Keimstätte. Auch die Pflanzenbibel des Dr. Späth liegt mit anderen antiken Schmökern wohlbehütet im Safe. Nach einer grandiosen 200-Jahr-Feier 1920 geriet der Betrieb in der Weltwirtschaftskrise in ökonomische Schwierigkeiten.

Hier wurden gärtnerische Standards gesetzt

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten aber erhielt seine Baumschule Großaufträge, darunter die Begrünung des Tempelhofer Flughafens. Doch der Unternehmer geriet in Konflikt mit dem Nazi-Staat: 1943 wurde er verhaftet, ihm wurden verbotene Tauschgeschäfte, Umgang mit Juden und Hetze gegen das Regime vorgeworfen. Er starb im Februar 1945 im Konzentrationslager Sachsenhausen. 1949 wurden die Späth’schen Baumschulen zum Volkseigentum erklärt und blieben doch das Zentrum des Baumschulenwesens in der DDR. Die Wende brachte die Rückübertragung des historischen Geländes an die Späth’schen Erben – und so den Startschuss für eine neue Blütezeit.

Ein Meer voller duftender Hingucker

Heute erfüllt der Blumenduft die Späth’schen Baumschulen nicht nur im Frühling. Schaugärten mit Rhododendron, Hortensien, Gräsern und Fertighecken zeigen eine ebensolche Sortenvielfalt wie die Pflanzenschauen mit Tulpen, Rosen, Dahlien und mehr. Mit mehr als 80.000 lieferbaren Pflanzen bieten die Späth’schen Baumschulen das komplette Gehölzsortiment und blühende Hingucker für den Garten an.

Der Hofladen bittet zum Einkauf mit gesunden Lebensmitteln aus der Region und schönen Geschenkideen. Im Skulpturengarten finden sich neben Gartengeräten und Werkzeugen Tiere, Totems und Fabelwesen des Südtiroler Künstlers Franz Christanell, der vor Ort meist selbst seine Kunst erläutert. Heilkräuter aus verschiedenen Kulturkreisen, alleine 25 Sorten Basilikum, winterharter Rosmarin, fein-aromatischer Salbei oder Oregano von mild bis scharf sind im Kräutergarten zu finden. Der Gehölzpark mit seinen unzähligen, liebevoll beschilderten Gewächsen aus aller Welt ist ein kleines Paradies – wie etwa die beliebte Rhododendronblüte im April und Mai, die zum Staunen einlädt. Ein perfektes Ausflugsziel also für die kommenden Wochen.

Zu den Späth’schen Baumschulen in der Späthstraße 80/81 gelangen Besucher über die S-Baumschulenweg und den Bus 170 oder 265 bis zur Haltestelle Baumschulenstraße/Königsheideweg. Informationen zu Öffnungszeiten gibt es online hier.

Der Ausflugführer zu Berlins grünen Oasen

“Berlin. Der grüne Stadtausflug” präsentiert die 61 schönsten Ausflüge zu den grünen Oasen in ganz Berlin und der nahen Umgebung: einmalige Aussichtspunkte, Wälder, Seen und Flüsse warten darauf, entdeckt zu werden. Zu jedem grünen Stadtausflug finden sich Hinweise auf spannende Sehenswürdigkeiten. Für die Pausen unterwegs halten die beiden Autorinnen ausgewählte Einkehrtipps parat.

Berlin ist eine der grünsten Metropolen der Welt. Moderne Gärten, klassische Parks, Freilichtmuseen und lauschige botanische Kleinode finden sich an vielen Orten. Kultur und Natur verbinden die Ausflüge zum mittelalterlichen Museumsdorf Düppel, zur alternativen ufaFabrik in Tempelhof und zum Museumspark Rüdersdorf mit seinen Industriedenkmälern.

Mit dabei sind auch „Klassiker“ wie die romantische Pfaueninsel oder der barocke Schlosspark Charlottenburg. Zudem erkundet das Buch wenig bekannte, kleine Paradiese wie den nostalgischen Schustehruspark mit seinen historischen Laternen oder den Körnerpark, der Erholung und neobarocke Eleganz mitten im trubeligen Neukölln verspricht. 

14,95 Euro, 168 Seiten
ISBN: 978-3-945983-55-3
Im Buchhandel erhältlich
oder bei www.viareise.de

Datum: 31. März 2021, Text: red, Bilder: Daniela Incoronato