Pandemie lässt Zahl der Straftaten in Berlin sinken

Polizei Berlin und Innensenat präsentieren Zahlen aus erstem Lockdown und dem Corona-Jahr 2020.

Gelegenheit macht Diebe: Die Kriminalität in Berlin stand im vergangenen Jahr unter dem Einfluss der Pandemie. Die Zahl der Taschendiebstähle und Wohnungseinbrüche hat stark abgenommen. Dafür kam es vermehrt zu Kellereinbrüchen und Online-Betrugsfällen. Das geht aus der aktuellen Kriminalitätsstatistik hervor, die Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik jetzt vorgestellt haben. Insgesamt hat die Polizei in Berlin im Jahr 2020 rund 504.142 Straftaten erfasst. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang um 1,8 Prozent.
Weniger Diebstähle. Vor allem im ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr sei ein Rückgang an Diebstählen und Raubüberfällen zu verzeichnen gewesen, so Geisel.

Es fehlte vielen Kriminellen durch abgesagte Großveranstaltungen und Beherbergungsverbote schlicht an Gelegenheit. „Die Pandemie war eine völlig neuartige Situation für die Polizei Berlin, das Ordnungsamt, aber auch für die Kriminellen“, so Geisel während der Pressekonferenz. Die Anzahl der Straftaten war dann auch auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Gleichzeitig erhöhte sich die Aufklärungsquote auf 46,1 Prozent (1,4 Prozentpunkte mehr als 2019). Aber die Pandemie hat auch für veränderte Kriminalitätsstrukturen gesorgt. So kam es vermehrt zu Straftaten im Zusammenhang mit Warenbestellungen, bei der Beantragung von Corona-Soforthilfen sowie zu neuen Formen des Enkeltricks.

Schadenssumme aus Subventionsbetrug

Aktuell sind in einem Ermittlungsverfahren des Landeskriminalamtes (LKA) Berlin fast 3.000 Subventions-Betrugsfälle mit einer potenziellen Schadenssumme von 41 Millionen Euro in Bearbeitung. Ob die häusliche Gewalt im Lockdown tatsächlich zugenommen hat, wie viele vermuten, kann die Statistik nicht verlässlich zeigen. Zwar habe es hier keinen deutlichen Anstieg gegeben, so Geisel, allerdings würden auch eindeutige Zahlen aus der Gewaltschutzambulanz fehlen. Hinzu kommt, dass viele Fälle von häuslicher Gewalt an Kindern und Jugendlichen von Lehrkräften oder Erziehern gemeldet werden, Kitas und Schulen aber ebenfalls die meiste Zeit geschlossen waren. „Die Pandemie hat das Hellfeld der häuslichen Gewalt minimiert“, ergänzt Slowik. Die Zahl nicht gemeldeter Fälle dürfte weitaus höher sein als die Statistik vermuten lasse.

Hohes Aggressionspotenzial

Einen deutlichen Anstieg hat es hingegen bei Widerstand und Gewalt gegenüber Berliner Polizeikräften gegeben. 7.505 von ihnen wurden während eines Einsatzes im vergangenen Jahr beleidigt oder angegriffen. „In persönlichen Gesprächen mit Einsatzkräften wurde mir von einem bisher nicht bekannten Aggressionspotenzial berichtet. Auch auf den zahlreichen Corona-Demos ging Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten von Teilnehmenden aus, die man gemeinhin in der bürgerlichen Mitte ansiedeln würde. Diese Angriffe verurteile ich zutiefst“, sagte der Innensenator.
Mehr Kontrollen. Erfreut zeigte er sich über vermehrte Kontrollen an sogenannten Kriminalitätshotspots wie dem Görlitzer Park. Dort wurden 2020 folgerichtig auch mehr Drogendelikte registriert (plus 1.956 Fälle). „Wir sind auf dem richtigen Weg“, lautete Geisels Fazit. 

Datum: 30. März 2021, Text: kr, Bild: Getty Images/iStockphoto/solarseven