Berlin-Mitte: Viele Ideen für die neue Mühlendammbrücke

Berliner äußern sich zu den bislang viel kritisierten Planungen des Senats und haben selbst einige Anregungen für den Brückenneubau. 

Die Mühlendammbrücke ist nicht nur eine der zentralsten, sondern auch eine der meist belebtesten Brücken Berlins. 72.800 Autos sowie knapp 2.500 Lkw passieren sie täglich. Für Radfahrer und Fußgänger ist hier hingegen weniger Platz. Das soll sich mit dem anstehenden Neubau der Brücke ändern. Der Neubau, so heißt es aus dem Senat, „soll der Berliner Mobilitätswende Rechnung tragen“.

Viele Anregungen

Bis zum 24. März hatten Anwohner und Interessierte in einem Online-Beteiligungsverfahren Gelegenheit, ihre Forderungen an die neue Mühlendammbrücke zu stellen. 370 Berliner sind diesem Aufruf gefolgt und haben ihre ganz eigenen Ideen zum Bauprojekt eingebracht. Die Mehrheit von ihnen ist laut Umfrage mit dem Rad in Mitte unterwegs. 31 Prozent der Teilnehmenden befährt die Brücke mit dem Auto. Und knapp 20 Prozent gehen meist zu Fuß. Sie alle bemängeln vor allem die hohe Verkehrslast auf der Mühlendammbrücke und den damit einhergehenden Lärm sowie die Luftbelastung. Kein Wunder also, dass sich rund 60 Prozent der Teilnehmenden wünschen, dass die Brücke Platz für alle Verkehrsteilnehmer bietet. 53 Prozent der Befragten, die Mehrfachantworten geben durften, fordern mehr Platz für den Radverkehr. 51 Prozent stimmen für mehr Platz für Fußgänger.

Viel Gesprächsbedarf gibt es auch bei der ästhetischen Gestaltung der Brücke. Von „spektakulär“ bis „schlicht und modern“ reicht die Bandbreite in der entsprechenden Kommentarspalte. Zudem soll die Mühlendammbrücke „einen sichtbaren Bezug zur historischen Mitte“ aufweisen, so die mehrheitliche Forderung, und die Uferwege, künftig miteinander verbunden werden. Auch eine verbesserte Einbindung der angrenzenden Kieze, Sitzmöglichkeiten und die Verwendung von Flüsterbeton wurden sowohl schriftlich als auch in einer digitalen Diskussion besprochen.

Weiteres Projekt steht schon in den Startlöchern

Fest steht bereits, dass aus den geforderten zwei Spuren auf der Brücke zumindest im ersten Schritt nichts wird. Die Brücke brauche, so die Verkehrsverwaltung, vier Spuren, also zwei pro Fahrtrichtung. Nach geglückter Verkehrswende könne die Brücke dann aber einspurig werden. Sämtliche Ideen sollen in den nun anstehenden Realisierungswettbewerb einfließen, erklärt der Senat. Am 28. Juli wählt die Jury dann einen Siegerentwurf. Ein paar hundert Meter weiter droht übrigens das nächste Streitthema: Denn auch die Gertraudenbrücke muss neu gebaut werden. 

Datum: 30. März 2021, Text: kr, Bild: IMAGO/Dirk Sattler