Tierwohl-Studie: Fleisch muss teurer werden

Höhere Fleischpreise

Schweine und Rinder sollen besser leben. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hält mehr Tierwohl für möglich. Der Umbau der Landwirtschaft hätte Folgen für die Preise.

Werden Fleisch und Milch bald teurer? Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, hat vergangene Woche eine Machbarkeitsstudie für mehr Tierwohl in deutschen Ställen vorgestellt. Dabei ging es auch um die Finanzierung. „Mehr Tierwohl im Stall und auf der Wiese gibt es nicht zum Nulltarif!“ – mit dieser markigen Überschrift wandte sich Klöckner an die Öffentlichkeit. Zuvor hatte sie eine Machbarkeitsstudie zur Weiterentwicklung der Tierhaltung mit verschiedenen Möglichkeiten zur Finanzierung vorgestellt. Die Gesamtkosten werden laut einer Mitteilung des Ministeriums konkret beziffert: 2,9 Milliarden Euro im Jahr 2025, 4,3 Milliarden Euro im Jahr 2030 und 4,0 Milliarden Euro im Jahr 2040.

Mehrkosten für Bauern ausgleichen

„Nur, wenn den Landwirten Mehrkosten ausgeglichen werden und die Finanzierung vertraglich abgesichert ist, bekommen wir einen Schub für mehr Tierwohl“, so Klöckner. Grundsätzlich möglich wäre eine Tierwohlabgabe auf Fleisch, Wurst, Eier oder Milchprodukte. In der Studie wird ein Preisaufschlag von 47 Cent pro Kilogramm Fleisch und zwei Cent pro Liter Milch ins Spiel gebracht.

Grundlage der Studie ist eine Empfehlung, die ein Expertengremium unter Leitung des früheren Agrarministers Jochen Borchert (CDU) Anfang 2020 vorgelegt hatte. Die Borchert-Kommission hatte nachdrücklich mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung, etwa separate Bereiche zum Schlafen, Fressen und Spielen und sogenannte Klimazonen möglichst mit Kontakt zur Außenwelt. angemahnt und dafür verschiedene Finanzierungsvorschläge gemacht, berichtet der „Tagesspiegel“.

Neben der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf tierische Produkte hatten die Experten eine Verbrauchssteuer von 40 Cent pro Kilo Fleisch und Wurst, zwei Cent pro Kilo Milch und Eier sowie 15 Cent pro Kilo Butter oder Käse ins Spiel gebracht. Der Bundestag hatte Klöckner aufgefordert, Vorschläge für die Umsetzung dieser Ideen zu machen. Die Ministerin hatte daraufhin die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Klöckner ließ zunächst offen, welche Finanzierungslösung sie bevorzugt.

Bauernverband fordert Planungssicherheit 

Der Deutsche Bauernverband (DBV) begrüßt die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie. „Der Umbau der Nutztierhaltung nach dem Konzept der Borchert-Kommission kann gelingen, wenn die Handlungsempfehlungen der Studie nun rasch und vor allem in Gänze umgesetzt werden“, erklärt Bernhard Krüsken, Generalsekretär des DBV. „Entscheidend ist zuerst, einen Umbau überhaupt baurechtlich möglich zu machen sowie ein tragfähiges langfristiges Finanzierungskonzept. Viele Landwirte stehen in den Startlöchern, brauchen aber dringend Planungssicherheit, wie dieser gesellschaftliche Konsens über die Art der Tierhaltung in Deutschland umgesetzt werden kann.“

Dass die Bundesregierung das unbequeme Thema noch vor der Bundestagswahl im Herbst angeht, ist allerdings unwahrscheinlich.

Datum: 11. März 2021, Text: Nils Michaelis, Bild: Getty Images Plus/iStock/Agustin Vai