In Berlin wachsen die Sperrmüllberge

Sperrmüll in Reinickendorf

Im vergangenen Jahr beseitigte die BSR 39.500 Kubikmeter Abfall auf Straßen und Gehwegen. 

Die Sperrmüllberge auf den Berliner Straßen werden immer mehr zum Problem. Im vergangenen Jahr musste die BSR 39.500 Kubikmeter Sperrmüll beseitigen. Die Kosten: rund fünf Millionen Euro. 2019 waren es noch 33.200 Kubikmeter. Das geht aus der Antwort der Senatsumweltverwaltung auf eine Anfrage des Abgeordneten Georg Kössler (Grüne) hervor.

Die offiziellen Zahlen zu den Bezirken unterscheiden sich erheblich voneinander. In Friedrichshain-Kreuzberg registrierte die Verwaltung während der Jahre 2019 und 2020 21.563 Meldungen zu illegalem Sperrmüll. In Mitte lag die Zahl im Jahr 2020 bei 18.346 und in Pankow bei 10.188. In Steglitz-Zehlendorf summierten sich die Meldungen im Jahr 2020 auf 864.

Auch bei der Frage, wie viele Verursacher ausfindig gemacht und wie viele Bußgelder gegen Sperrmüll- und andere Abfallsünder verhängt wurden, unterscheidet sich die Lage von Bezirk zu Bezirk erheblich. So sind etwa in Lichtenberg und Tempelhof-Schöneberg 2017 bis 2020 gar keine Bußgelder in diesem Zusammenhang verhängt worden. In Charlottenburg-Wilmersdorf waren es gerade zweimal 50 Euro.

180 Bußgeldverfahren in Friedrichshain-Kreuzberg

In Spandau waren es in den vier Jahren dagegen zusammen 81 Bußgeldverfahren. Der Höchstwert wurde 2020 erreicht: 32 Bußgelder in einer Höhe von insgesamt 8.960 Euro verhängte der Bezirk. In Friedrichshain-Kreuzberg waren es 180 Bußgeldverfahren. Im vergangenen lag die Zahl bei 72 und die Höhe der Bußgelder bei 2.775 Euro, beides mit Abstand die höchsten Werte im Vierjahresvergleich.

In Neukölln wurden im gleichen Zeitraum 155 Verursacher ausfindig gemacht. 2020 waren es 22, die Höhe der Bußgelder summierte sich auf 2.520 Euro. Im Jahr 2019 lag sie mit 58 verhängten Bußgeldern und einer Summe von zusammen 10.000 Euro allerdings deutlich darüber.

Ein Grund für die Sperrmüllberge könnten, zumindest aus Sicht von finanziell klammen Berlinern, die vergleichsweise hohen Kosten für die Abholung sein. So verlangt die BSR laut eigener Preistabelle für Mengen bis fünf Kubikmeter einen Pauschalpreis von 100 Euro. Zum Vergleich: In Hamburg werden bis acht Kubikmeter gerade einmal 35 Euro berechnet. Auch die unterbesetzten Ordnungsämter werden immer wieder thematisiert.

Mehr Personal für die Ordnungsämter

Um gegen Müllablagerungen aller Art auf Straßen und Wegen vorzugehen, hat der Senat vor zwei Jahren die „Gesamtstrategie Saubere Stadt“ beschlossen. Vorgesehen ist eine verstärkte Abfallberatung, die Reinigung von Park- und Waldflächen sowie „innovative Möglichkeiten der Sperrmüllsammlung“ und mehr Personal für die Ordnungsämter der Bezirke.

Um das zivilgesellschaftliche Engagement zu stärken, erhalten die Bezirke finanzielle Mittel für die Anschaffung von E-Lastenrädern zur Beseitigung von Sperrmüll und die Beschaffung von Geräten zum Müllsammeln oder auch Kiez-Putzaktionen. Berlinweit wurden für das laufende Jahr rund 3,3 Millionen Euro verteilt. Die Bezirke veranstalten zudem immer wieder Sperrmüllaktionstage. Dann können Anwohner ihren Sperrmüll bei BSR-Fahrzeugen an zentralen Orten in den Kiezen abgeben.

Datum: 25. Februar 2021, Text: Nils Michaelis, Bild: imago images/Jürgen Ritter