Gedenkstele erinnert an Geschichte des Tiergartenviertels

Die Staatlichen Museen zu Berlin erinnern mit einer Gedenkstele an die bewegten 1920er-Jahre im damals bei Künstlern beliebten Tiergartenviertel.

Das Tiergartenviertel galt zu Beginn des 20. Jahrhunderts als attraktives Wohngebiet und kreatives Zentrum Berlins. Neben vielen Industriellen, Verlegern und Galeristen und Kunstsammlern wohnten und arbeiteten hier auch zahlreiche Künstlerinnen; Salons prägten das gesellschaftliche Leben des Stadtteils. Hinzu kamen zahlreiche beeindruckende Bauten: Allein von 1888 bis 1930 eröffneten hier über 60 Botschaften und Konsulate sowie große Verwaltungsgebäude, während um die St. Matthäus-Kirche zahlreiche mehrgeschossige Wohn- und Mietshäuser und entlang der Tiergartenstraße viele Villen mit weitläufigen Gartenanlagen entstanden.

Die Spuren dieser Jahre sind mittlerweile vielerorts nicht mehr sichtbar. Die Staatlichen Museen zu Berlin erinnern deshalb nun mit einer Gedenkstele an der Gemäldegalerie an die Persönlichkeiten dieser historisch bedeutsamen Ära.

Bewegte Geschichte

Die 1943 einsetzende Bombardierung hat das Quartier weitgehend zerstört. Doch bereits vor dem Zweiten Weltkrieg hatten die Nationalsozialisten begonnen, für ihre Planungen zur „Reichshauptstadt Germania“ zahlreiche Gebäude für die beabsichtigte „Nord-Süd-Achse“, häufig von jüdischen Besitzern, zu enteignen und abreißen zu lassen. Zahlreiche Bewohnerinnen des Tiergartenviertels oder ihre Nachfahren wurden von der nationalsozialistischen Diktatur zur Emigration gezwungen, deportiert oder ermordet.

Auch diesem Teil der Geschichte soll die Stele Rechnung tragen. „Neben dem Sammeln, Bewahren und Erforschen gehört auch das Erinnern zu den zentralen Aufgaben von Museen“, so Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin.

Blick zur St. Matthäus-Kirche, Aufnahmedatum: um 1920, Copyright: bpk

In der Sigismundstraße, Höhe Hitzigallee (ehemals Regentenstraße), in unmittelbarer Nähe zu der in die Gemäldegalerie integrierte Villa Parey, erinnert die Stele nun an das soziale, gesellschaftliche und mäzenatische Engagement, mit der diese Persönlichkeiten die Berliner Stadtgesellschaft und die Sammlungen der Berliner Museen in erheblichem Maße bereichert haben.

Datum: 22. Februar 2021, Text: red., Bilder: Staatliche Museen zu Berlin/David von Becker, bpk