Frieren für das Leben Obdachloser – Mahnwache am Roten Rathaus

Obdachlose Mahnwache

Frieren für Gerechtigkeit: Menschen gedenken der erst kürzlich am Moritzplatz in Kreuzberg verstorbenen Obdachlosen. Sie fordern ein Umdenken in der Wohnungspolitik. Die Mahnwache findet am 29. und 30. Januar vor dem Roten Rathaus statt. 

Unter den Unterstützern findet sich auch das Aktionsbündnis „Solidarisches Kreuzberg – Obdachlosigkeit im Stadtteil“. Seite an Seite mit Betroffenen gehen sie und Organisationen der Obdachlosenhilfe auf die Straße. Dabei frieren alle gemeinsam, um auf die Missstände in der Sozialpolitik aufmerksam zu machen. Dabei setzen sie sich für das Recht auf angemessenen Wohnraum und für die Beschlagnahmung von bezugsfertigem leerstehendem Wohnraum ein. Auch die Durchsetzung des Zweckentfremdungsverbots und Freiflächen für Menschen, die alternativ leben wollen, sind ein Thema.

„Obdachlosigkeit geht alle an“, erklärt Franziska Schulte, Sprecherin beim Berliner Mieterverein. „Wir setzen uns für das Recht auf ein menschenwürdiges Zuhause ein.“ Vor dem Eingang zum Rathaus haben die Demonstranten beim letzten Mal auch ein winziges Haus auf Rollen aufgestellt. Es soll ein Symbol für ein Umdenken in der Wohnungspolitik sein. Der Verein Little Homes aus Köln stellt solche Unterkünfte her und verschenkt sie an obdachlose Menschen.

Wasser, Wohnungen und Kältehilfe als Grundrecht

Das Aktionsbündnis “Solidarisches Kreuzberg” beteiligt sich mit Redebeiträgen vor Ort an der Mahnwache. Dabei forderten sie die Umsetzung eines Soforthilfeplans. Etwa zum Recht am öffentlichen Raum: Sie fordern ein Verbot der Zwangsräumung von Obdachlose Menschen im öffentlichen Raum, besonders im Lockdown. 
Außerdem habe jeder das  Recht auf Zugang zu sauberem Wasser. Die Schaffung von mobilen und stationären Angeboten für die Wasserversorgung (Duschen, Waschen, Trinken) sei fundamental.

Außerdem braucht es laut der Organisation die Entwicklung einer Covid19-Gesundheitsstrategie für obdachlose und
wohnungslose Menschen. Ein weiterer wichtiger Punkt sei das Thema Sucht und Corona: “Solidarisches Kreuzberg” fordert den Ausbau von stationären und mobilen Drogenkonsumräumen sowie die Aufhebung des Alkoholkonsumverbots im öffentlichen Raum für Alkohol konsumierende, obdachlose Menschen.

Auch der Zugang zur coronakonformen Kältehilfe müsse transparent kommuniziert werden und für alle Personengruppen zur Verfügung stehen – bis das Recht auf eine Wohnung durchgesetzt ist.
Das Recht auf Zugang zu Information und Transparenz bestehe auch im Lockdown für Obdachlose weiterhin: “Der Zugang zu Behörden und Informationen muss niedrigschwellig, gebündelt, barrierefrei und auf kurzem Wege erfolgen”, heißt es von Seiten des Aktionsbündnisses. 

Datum: 28. Januar 2021. Text: red, Bild: imago images/Markus Heine