S-Bahn Berlin: Auf harten Sitzen durchs neue Jahr

Am 1. Januar, 0.01 Uhr, wird erstmals ein Zug der neuen S-Bahn-Generation mit Fahrgästen auf die Reise gehen.

S-Bahn-Fans sollten sich die Uhrzeit notieren. Am 1. Januar 2021 um 0.01 Uhr wird erstmals ein Zug der neuen S-Bahn-Generation mit Fahrgästen auf die Reise gehen. Laut S-Bahn Berlin GmbH sollen die vier Wagen im S-Bahnhof Schöneweide als S47 abfahren und sechs Minuten später, um 0.07 Uhr in der Zielstation Spindlersfeld eintreffen. Für die Premierenfahrt ist eine paritätische Doppelbesetzung im Führerstand vorgesehen: Kathrin Mannke und René Röther sind für die erste Tour eingeteilt, so eine Bahnsprecherin.

Vom Eisenbahn-Bundesamt zugelassen

Die S-Bahn-Linie im Südosten, die tagsüber über Baumschulenweg und Neukölln bis Hermannstraße verlängert wird, ist das erste Einsatzgebiet der neuen Baureihe 483/484. Am Bahnhof Hermannstraße soll die erste Fahrt Neujahr um kurz nach 9 Uhr ankommen. Fünf Zwei- und fünf Vier-Wagen-Verbände werden auf der S47 eingesetzt.

Wie berichtet, ist die neue S-Bahn für Berlin und Brandenburg, für deren Bau Stadler Pankow und Siemens Mobility verantwortlich sind, bereits am 30. Oktober vom Eisenbahn-Bundesamt zugelassen worden. An diesem Tag hat die Aufsichtsbehörde die Fahrzeugtypgenehmigung erteilt.

Problem bei Fahrgastinformation

Doch bei den Abnahmefahrten davor und danach tauchten immer wieder Probleme auf. Im Mittelpunkt stand lange Zeit die Software der Vorserienzüge. Sie machte Schwierigkeiten beim Zusammenführen und Trennen der Wagenverbände. Ursprünglich sollte dies bei Bedarf unterwegs am Bahnsteig geschehen, nun findet es in der Werkstatt Grünau statt. Voraussichtlich bis zum kommenden Frühjahr werden die Vorserienfahrzeuge mit einer „Übergangssoftware“ fahren.

Auch bei der Fahrgastinformation lief manches nicht so wie erwartet. Dem Vernehmen nach harmonierte die von der Deutschen Bahn entwickelte Software nicht immer mit der Hardware.

Eingelöstes Versprechen

Die Fahrtziele werden auch an den Außenseiten angezeigt. Drinnen stellen Bildschirme die Linie mit den nächsten Bahnhöfen wie an einer Perlschnur dar. Fahrgäste dürfen darauf gespannt sein, ob das Versprechen eingelöst wird, dass die Leitstelle falls nötig Informationen auf den Monitoren einspielt. Videokameras nehmen die Fahrgasträume ins Visier.

Die Fahrgasträume sind klimatisiert, im Sommer kann die Klimaanlage die Luft im Innern um drei Grad Celsius kühlen. Die Fenster lassen sich öffnen, aber nur mit speziellen Vierkantschlüsseln, die es nicht im Baumarkt gibt.

Warnton stört die Ruhe

Ein weiteres Merkmal: An jedem Rollstuhlplatz sind Taster in Griffnähe angebracht. Der rote stellt den Kontakt zu der Frau oder zum Mann im Führerstand her, der gelbe zur Leitstelle. Anderes werden die Fahrgäste kritisch sehen – zum Beispiel, dass die blau bezogenen Sitze so hart sind. Oder dass beim Öffnen und Schließen ein lauter, nerviger Warnton die Ruhe stört.

Von der Baureihe 483/484 hat die Deutsche Bahn 382 Wagen für 900 Millionen Euro bestellt. Weitere Einsatzstrecken sind die neue Linie S15 zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof (ab Ende 2021), die S46 zwischen Westend und Königs Wusterhausen (ab Juli 2022), die S8 zwischen Zeuthen und Birkenwerder (ab Oktober 2022) sowie die Ringlinien S41 und S42 (ab 2023).

Datum: 31. Dezember 2020, Text: Peter Neumann/Redaktion, Bild: Siemens Mobility


Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung der Berliner Zeitung