Archäologen entdecken Schätze in Berlins Mitte

Grabungen an der Grunerstraße

Beim Umbau der Grunerstraße stoßen Archäologen immer wieder auf sensationelle Hinterlassenschaften aus grauen Vorzeiten.

Berlin hatte im Mittelalter (so um 1250 herum) eine Stadtmauer. So wie man sich einen Schutzwall vorstellt: aus großen und kleinen Feldsteinen, die sich zu etwa einem Meter Dicke und entsprechender Höhe aufschichten ließen.  Eine Erinnerungstafel will uns sagen, dass es Berlin schon vor den Preußen gab. Diesen Mauerrest finden wir überirdisch in der Littenstraße.

Verschwundene Häuser

Der aufmerksame Flaneur findet in diesen Tagen eine Verlängerung genau dieser Mauer im Untergrund der Grunerstraße. Dort wo die Autorennstrecke (B1) umgebaut wird, bevor sie im Tunnel verschwindet. Erstaunlich, was die Archäologen dort aufdecken.

Dass das mittelalterliche Berlin von einer Stadtmauer umgeben war, ist keine Sensation. In ein paar Metern Tiefe unter dem Asphalt entdecken die Fachleute immer neue Fundamente und Keller verschwundener Häuser und alte Straßen. Abriss und Aufbau, Berlin-Mitte zeigt sich den Forschern als Puzzle. Was war da?


Altes Berliner Straßenpflaster

Gedenktafel in der Littenstraße

Mauerreste in der Grunerstraße


Reste des Erdwalls vor der Stadtmauer

Aufgeschüttete Barriere 

Dennoch gibt es jetzt eine kleine Sensation, gerade an dieser Stelle, wo sich die Bewohner hinter einer Mauer vor Angreifern schützten. Wie sicherten sich Menschen ab, bevor sie einen Schutzwall hochzogen? Genau: Durch einen Erdwall. Jetzt haben die Archäologen einen Hinweis: Vor der Mauer gab es eine aufgeschüttete Barriere. Auf diesem Erdwall errichteten sie ihre Wand aus großen Steinen.

Eine faszinierende Entdeckung anhand der Bodenschichtung. Nur schade, dass dieses Fundstück nicht in einer Vitrine des Museums für Frühgeschichte ausgestellt werden kann, so, wie des Skelett des Hausschweins aus einer frühen slawischen Siedlung, gefunden gleich in der Nähe.

Modernste Techniken

Ein archäologisches Fenster wird es hier mitten auf der Grunerstraße wahrscheinlich nicht geben. Allerdings bieten die modernsten Techniken den Forschern die Möglichkeit, ihre Funde zu dokumentieren und für Museumsbesucher und neugierige Flaneure aufzubereiten. Wer in Berlin tiefer gräbt, dem bieten sich neue Erkenntnisse. In Berlin siedelten Menschen schon vor dem Jahr 1237. Dafür gibt es immer neue Beweise im Untergrund. Auch eine mittelterliche Stadtmauer brauchte ein Fundament. 

Datum: 29. Dezember 2020, Text: Fritz M. Zimmermann, Fotos: Fritz M. Zimmermann