Berlin-Pankow: So steht’s wirklich um das “Sorgenkind” Weißer See

Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn bestreitet “Behördenkapitulation” in Sachen Erhalt und Pflege des Weißen Sees in Weißensee.

Bezirksbürgermeister Sören Benn (Die Linke) wehrt sich in einer Pressemitteilung des Pankower Bezirksamts gegen Vorwürfe, der Bezirk würde vor den Zuständen rund um den Weißen See kapitulieren. “Die Probleme am Weißen See sind dem Bezirksamt und der Polizei bekannt. Und wir kapitulieren auch nicht”, lässt der Politiker mitteilen.

Im Juli dieses Jahres habe es, nicht zum ersten Mal, ein Treffen der Anlieger und der verschiedenen Ämter gegeben. Auf dem seien die Probleme aufgezeigt und Lösungsansätze diskutiert wurden. Defizite seitens der Ämter sieht Benn höchstens darin, dass es nicht gelungen sei, deren jahrelangen umfangreichen Bemühungen zur Sicherung und Aufwertung der Parkanlage der Öffentlichkeit deutlich zu machen.

Attraktives Freizeitangebot

“Tatsächlich”, so Benn, “werden unsere Aktivitäten in der jüngeren Vergangenheit durch eine Übernutzung teilweise überblendet. Die stärkere Frequentierung großer öffentlicher Grünanlagen hat seine Ursachen im stetigen Zuzug, immer mehr Menschen in kleineren Wohnungen und auch pandemisch bedingte Reisebeschränkungen.”

Die beschriebene Situation am Weißen See sei ja nicht wirklich neu, aber kaum vergleichbar mit anderen Grünanlagen Berlins. Der sei gleich durch vier Tramlinien, 16 min vom Alexanderplatz entfernt, schnell erreichbar. Dies, gepaart mit einem attraktivem Freizeitangebot, zöge bei entsprechender Wetterlage deutlich mehr Menschen an, als es der Park verträgt.

Regeln werden missachtet

Das Ordnungsamt sei, so Benn, nicht annähernd in der Lage, die angezeigte Situation zu bewältigen. Der Einsatz der Fahrradstaffel in Grünanlagen werde zwar positiv aufgenommen, aber an einem Hochsommertag mit unzähligen Sonnenhungrigen und Badegästen, die teilweise alkoholisiert, jegliche Regel missachten, wäre eine Hundertschaft nötig, um die Lage zu beherrschen.

Dass ein Großteil der Straftaten und Ordnungswidrigkeiten oft in den Spätabend- und Nachtstunden geschähe, sei auch der Polizei bekannt.

Planung mit örtlichen Akteuren

Der Bezirk erhält 1,98 Millionen Euro für ein Pilotprojekt zur Klimaanpassung. Geplant ist eine nachhaltige Wasserversorgung des Sees mit Regenwasser, das zuvor über einen Schilf-Bodenfilter gereinigt wird. Der Bezirk verfolgt das Projekt mit hoher Priorität. Er hat deswegen eine Teilfinanzierung in Höhe von 1.603.000 Euro für erste Maßnahmen in der Investitionsplanung des Bezirkes eingestellt.

Die Gesamtkosten seien 2019 auf 3,82 Millionen Euro geschätzt worden. Daneben arbeite man schon seit Jahren an einem Gesamtkonzept für den Park mit zehn Schwerpunktbereichen. Die Planung würden mit örtlichen Akteuren, zum Beispiel den Parkfreunden Weißensee, abgestimmt.

Vielzahl öffentlicher Einrichtungen

Eine Maßnahme sei, den durch Erosion geschädigten Ufersaum wiederherzustellen und durch angepasste Ufervegetation dauerhaft zu befestigen und zu schützen. Auch sollen dort die bestehenden Reste eines Schilfgürtels wieder so weit etabliert werden, dass eine natürliche Filter- und Klärfunktion des Badegewässers aufrechterhalten wird.

Eine intakte Vegetation trage erheblich zur Kühlung und Klimastabilisierung des wichtigen Ortsteilparks bei. Dies würde einer Vielzahl öffentlicher Einrichtungen an den Parkrändern, wie einem Krankenhaus, Schule, Kita, Blindenwohnheim, sowie einem Kommunalen Bildungswerk und Anliegerwohnen zugute kommen.

Parkdienst im Einsatz

Zudem sollen die bestehenden Zugänge und Wege barrierearm gestaltet und die bestehende Beleuchtung durch eine energiesparende, insektenfreundliche LED-Beleuchtung ersetzt werden. Die Maßnahmen sollen bis 2026 umgesetzt werden. Der Ansatz einer Bodenfilteranlage wird in Abstimmung mit den Berliner Wasserbetrieben und der Regenwasseragentur Berlin entwickelt.

Der Spielplatz mit Plansche wurde bereits saniert und am Zugang Parkstraße eine zusätzliche WALL-Toilette installiert. Zusätzlich reinigt die BSR schon seit 2016 den Park. Seit 2019 sei auch ein Parkdienst im Einsatz. Das Projekt Parkläufer gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz läuft auch für den Park am Weißen See im nächsten Jahr ganzjährig weiter.

Zudem wurde in diesem Jahr Trinkwasser für viel Geld eingespeist. Im Frühjahr und Herbst gab es Reinigungsaktionen am See und bei einem Taucheinsatz wurde Müll aus dem See entfernt. Der Auftrag für die Reinigungsanlage am neuen Grundwasser-Brunnen wird gerade ausgelöst, im Frühjahr 2021 ist die Umsetzung geplant.

Datum: 25. Dezember 2020, Text: Redaktion, Bild: imago images/Seeliger