Berlins Wälder leiden unter Dürre und Hitze

Herbstlich gefärbte Wälder

Der aktuelle Berliner Waldzustandsbericht ist ein Dokument menschlichen Versagens. Längst
hat der Klimawandel unsere Wälder erreicht: Nur noch sieben Prozent aller Bäume in
Berlins Forsten sind ohne Schäden.

Die gute Nachricht zuerst: Für Waldumbau, Waldbrandvorsorge und die erforderliche Pflege und Sicherung stellt der Senat den Berliner Forsten bis Ende 2021 zusätzlich drei Millionen Euro zur Verfügung. Außerdem wurden oder werden 20 zusätzliche Stellen mit qualifizierten Fachkräften besetzt, um die wachsenden Aufgaben in den Erholungswäldern und den Umbau zu klimastabilen naturnahen Mischwäldern zu bewerkstelligen.

Sichtbare Schäden

Und jetzt die schlechte Nachricht: Diese Maßnahmen haben unsere Wälder auch bitter nötig. Denn der aktuelle, gerade veröffentlichte Waldzustandsbericht offenbart, dass der Anteil von Bäumen ohne Schäden in Berlins Wäldern auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen 1991 gesunken ist:

Nur noch sieben Prozent seien, so heißt es in dem Bericht, ohne sichtbare Schäden (Vorjahr: acht Prozent). Nach drei Jahren mit langen Trockenheitsperioden und großer Hitze sind insbesondere Kiefern betroffen, die 60 Prozent der Berliner Waldbäume ausmachen.

Auch der Anteil abgestorbener Bäume erreicht 2020 mit 2,7 Prozent (Vorjahr: 1,7 Prozent) einen neuen Höchstwert. Damit bestätigt sich die besorgniserregende Entwicklung des Vorjahres. Insgesamt hat sich der Zustand der Berliner Wälder noch einmal leicht verschlechtert. Immerhin konnten sich die Eichen auf schwachem Niveau leicht erholen.

Große Anstrengungen

„Der Berliner Wald leidet sicht- und messbar unter der Erderhitzung. Lange Trockenheitsphasen und hohe Temperaturen im dritten Jahr in Folge setzen unserem Wald enorm zu“, erklärt Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, bei der Vorlage des Waldzustandsberichtes 2020. Der Senat habe deshalb die Anstrengungen zum Waldschutz mit definierten Klimaanpassungsmaßnahmen deutlich erhöht.

Es werde versucht, dem Waldsterben mit einem groß angelegten Mischwaldprogramm, ökologischer Bewirtschaftung, deutlich mehr Personal und Geld entgegen zu steuern. Die Grünen-Politikerin betont weiter, dass der Wert des Berliner Waldes für das Stadtklima, für die Artenvielfalt und als Refugium für die Berliner, gerade auch in Zeiten der Pandemie, kaum zu überschätzen sei. „Die große Zahl der Menschen, die den Wald besuchen, um sich dort zu erholen, um sich fit und gesund zu halten, belegt dies eindrucksvoll.“

Leichte Erholung

Mit – wie im Vorjahr – 36 Prozent zeigt mehr als ein Drittel aller Probebäume der Waldzustandserhebung deutliche Schäden. Leichte Schäden weisen 57 Prozent der knapp 1.000 stichprobenartig überprüften Bäume auf (Vorjahr: 56 Prozent). Die Baumarten sind unterschiedlich betroffen.

Während lediglich fünf Prozent der Kiefern keine Schäden zeigen (2019: sieben Prozent), sind es bei den Eichen, dem wichtigsten Laubbaum in Berlins Wäldern, in diesem Jahr wieder elf Prozent (2019: fünf Prozent).

Mehr Potenzial

Für den Senat sei die konsequente Entwicklung vielfältiger Laubmischwälder die wichtigste Maßnahme zur Stabilisierung dieser Naturlandschaft und ihres Wasserhaushalts. Die Mischung verschiedener Baumarten und Altersstufen erhöhe die Resilienz der Wälder, weil der Wald so mehr Potenzial zur Regeneration erhäl.

Im Rahmen des Mischwaldprogramms wurden im Herbst 2019 in den Berliner Wäldern insgesamt 468.240 Bäume gepflanzt, von denen mehr als 80 Prozent angewachsen sind. Die vereinzelten Regenfälle dieses Jahres hätten dabei größere Verluste in den Frühjahrs- und Sommermonaten verhindert. Im Herbst wurden weitere 425.000 Bäume und Sträucher, vor allem Laubbaumarten wie Eichen, Buchen, Hainbuchen, Linden und Ahorne, gepflanzt.

Datum: 9. Dezember 2020, Text: Manfred Wolf, Bild: imago images/Christian Spicker