AHA-Regeln und Impfungen bremsen Grippe bislang aus

Auswertung: Rund 50 Prozent weniger Infektionen als im Vorjahres-Mittel.

Die Corona-Schutzmaßnahmen Alltagsmasken, Hände waschen und Abstand halten haben zwar die zweite Covid-19-Welle nicht ver-hindern können. Die AHA-Regeln haben im Herbst aber immerhin die Ausbreitung der Grippe und anderer Infektionskrankheiten bislang stark eingedämmt. Das hat eine Auswertung der Krankmeldungen der AOK Nordost auf Basis von Versichertenzahlen ergeben.

Starker Rückgang

In harten Zahlen: Von Ende September bis Mitte November waren knapp 50 Prozent weniger AOK-Versicherte wegen einer Grippe krankgeschrieben als in den Vorjahren. Von 2017 bis 2019 meldeten sich in diesem Zeitraum im Schnitt gut 1.300 AOK-Ver-sicherte grippekrank, in diesem Jahr waren es nur knapp 700. Auch die Zahl der Krankschreibungen wegen Magen-Darm-Infekten, Lungenentzündungen und Bronchitis lag um mehr als ein Drittel niedriger als im Vorjahres-Mittel. Insgesamt umfasst die Analyse über 63.000 Krankschreibungen aus Berlin, Branden-burg und Mecklenburg-Vorpommern. Rund jeder vierte Einwohner dieser Bundesländer ist bei der AOK Nordost versichert.

„Unsere Versichertendaten zeigen eindrucksvoll, dass sich viele Menschen offenbar konsequent an die AHA-Regeln gehalten haben und so viele Ansteckungen verhindert wurden. Das gibt Anlass zu Hoffnung, dass die Grippesaison 2020/2021 deutlich milder verlaufen könnte als in den Vorjahren. Auch dass sich laut ersten Daten in dieser Saison deutlich mehr Menschen gegen Influenza impfen lassen, ist ein ermutigendes Zeichen“, sagt Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost zu den Ergebnissen der Datenanalyse.

Viele Influenza-Impfungen

Das Robert Koch-Institut schätzt, dass die schwere Grippesaison 2017/2018 rund 25.000 Todesfälle verursachte. Hinzu kamen rund 45.000 Krankenhauseinweisungen. Inmitten der Corona-Pandemie wäre eine solch schwere Grippewelle für das Gesundheitssystem nur schwer zu verkraften. Die Bundesregierung hat deshalb fast doppelt so viele Influenza-Impfdosen wie in der vergangenen Grippesaison bereitgestellt. Um die Impfquote bei den Risikogruppen zu erhöhen, haben die AOK Nordost und die KV Berlin kürzlich die Aktion „Impfen zu Hause“ gestartet. Pflegebedürftige, die keine Praxis aufsuchen können, sollen häufiger per Hausbesuch geimpft werden. Erste Zahlen zeigen bereits, dass die Impfquote sich erhöht hat.

„Lockdown light“

Die Datenanalyse der AOK Nordost umfasst auch die ersten beiden Wochen des „Lockdown light“ im November. Eine getrennte Auswertung nach Bundesländern zeigt: Nach Beginn des „Lockdown light“ verringerte sich die Anzahl der Krankschreibungen wegen der ausgewerteten Infektionskrankheiten in den Flächenländern stärker als in der Hauptstadt. Verglichen mit dem Vorjahresmittel sank die Zahl der Krankmeldungen in der ersten Novemberhälfte in Brandenburg um 15 Prozentpunkte, in Mecklenburg-Vorpommern um zwölf Prozentpunkte – und in Berlin um acht Prozentpunkte.

Telefonische Krankschreibungen nehmen zu

Die offenbar geringere Auswirkung des „Lockdown light“ in der Hauptstadt könnte damit zu erklären sein, dass in Berlin auch unter den Kontaktbeschränkungen mehr Menschen aufeinandertreffen als in den Flächenländern – etwa in S-Bahnen, U-Bahnen und Bussen. Mehr Kontakte bedeuten mehr Möglichkeiten für Infektionskrankheiten, sich zu verbreiten. Ein genauer Blick in die Daten weist aber zumindest für die Atemwegserkrankungen noch auf eine andere mögliche Ursache hin. Die Daten zeigen, dass die Anzahl der Krankmeldungen wegen Atemwegsinfekten in der Woche vom 19. bis 25. Oktober in Berlin stark anstieg – viel stärker als in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Seit dem 19. Oktober ist es wieder möglich, sich bei leichten Infekten der oberen Atemwege telefonisch krankschreiben zu lassen. 

Datum: 3. Dezember 2020, Text: red., Bild: iStock/Getty Images Plus/????? Simankova