Friedrichshain-Kreuzberg: Viel mehr häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt

Das eigene Zuhause ist in der Corona-Krise für viele Frauen und ihre Kinder alles andere als ein sicherer Ort. Auf dieses Problem der häuslichen Gewalt soll alljährlich am 25. November der internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen. Und der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg veröffentlichte aufrüttelnde Zahlen. 

Kontaktbeschränkungen und Existenzängste belasten Familien und Partner. In der Hochphase des Lockdowns im Frühjahr 2020 stieg die Zahl häuslicher Gewalt extrem an. Die Verfahren nach dem Gewaltschutzgesetz sind im ersten Quartal 2020 um 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angestiegen.

2019 stellte die Polizei in Berlin insgesamt 15.645 Fälle häuslicher Gewalt fest. 83 Prozent der Betroffenen waren Frauen. In mittlerweile sieben Frauenhäusern fanden Frauen und ihre Kinder Schutz.

Mehr häusliche Gewalt während des Lockdowns

Auch in Friedrichshain-Kreuzberg ist geschlechtsspezifische Gewalt ein nach wie vor weit verbreitetes gesellschaftliches Phänomen. Im vergangenen Jahr wurden im Bezirk 888 Fälle häuslicher Gewalt bei der Polizei registriert. Bis Oktober 2020 waren es schon 696 Fälle häuslicher Gewalt.

Diese Gewalt gegen Frauen trage in einer maßgeblich männerorientierten Gesellschaft entscheidend dazu bei, Machtverhältnisse zu manifestieren, schreibt das Bezirksamt. Besonders drastisch verdeutlichen dies aber Zwangsverheiratungen. Die fänden auch in Berlin satt, nicht nur in anderen Ländern. 2017 zählte Berlin 570 Fälle – die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein.

Das Schweigen brechen

Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) sagte dazu: „Die Bekämpfung von häuslicher Gewalt, Stalking, Zwangsverheiratungen und die Entwicklung von Präventionsangeboten sind wichtige Schwerpunkte der Arbeit des Bezirks. Seit 2003 gibt es einen Arbeitskreis gegen Zwangsverheiratung. Dabei thematisieren wir häusliche Gewalt in der Politik, in Netzwerken und in Behörden und helfen dabei, das Schweigen zu brechen.“ 

„Viel zu oft halten Scham- und Schuldgefühle Frauen davon ab, sich Hilfe und Unterstützung für sich und ihre Kinder zu holen. Deshalb hat das Jobcenter Berlin Friedrichshain-Kreuzberg schon vor Jahren einen besonderen Umgang mit von häuslicher Gewalt Betroffenen etabliert”, erklärt die stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters, Anita Leese-Hehmke.

Hier träfen Frauen auf ein sensibles, den Bedürfnissen angepasstes Verfahren mit geschulten Mitarbeitern und eine gute Kooperation mit den Schutzeinrichtungen. Gerade im harten Lockdown im Frühjahr dieses Jahres sei das Jobcenter oft ein wichtiger und verlässlicher Anker im sonst weitgehend runtergefahrenen Alltag.

Datum: 27. November 2020, Text: ast, Bild: imago images / Peter Homann