Berlin-Mitte: Kritik an Umbauplänen für Mühlendammbrücke

SPD-Fraktion und Anwohner fordern einen stadtverträglichen Umbau der Brücke mit mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger.

46 Meter Beton überspannen die Spree zwischen Nikolaiviertel und Fischerinsel. Die Mühlendammbrücke überqueren täglich mehr als 73.000 Fahrzeuge auf jeweils drei Autospuren pro Fahrbahn. Für Radfahrer bleibt da meist nur das Ausweichen auf die Busspur. Bald aber soll das Bauwerk aus den 1960er-Jahren komplett abgerissen und ab 2023 neu gebaut werden. Dann mit zwei Autospuren auf jeder Seite. Genau dieses Vorhaben sorgt für reichlich Kritik. Immerhin soll der Verkehr in Zukunft eigentlich um die Stadt herum geführt werden und nicht mitten durch sie hindurch.

Mitsprache gefordert

Das finden auch viele Anwohner und Pendler, die ein Mitspracherecht beim Umbau der Brücke fordern. Unterstützung erhalten sie dabei von der SPD-Fraktion im Bezirksparlament von Mitte. „Schluss mit der Basta-Politik in Berlin-Mitte. Viele Menschen wohnen und leben, wie ich selbst, oft Jahrzehnte lang in den Wohngebieten an der Leipziger Straße. 17.000 Menschen verdienen es, dass ein Runder Tisch mit Expertinnen und Experten zu Neugestaltung der Mühlendammbrücke und der Gertraudenbrücke einberufen wird und eine umfassende Bürgerbeteiligung stattfindet“, sagt etwa Fraktionsmitglied Max Landero.

Nur gemeinsam mit den Anwohnern könne eine lebenswerte Mitte geschaffen werden. „An dieser Brücke kann die Verkehrswende scheitern.“

In einem Antrag der SPD fordern sie zudem, einen stadtverträglichen Neubau, der alle Verkehrsteilnehmer, also auch Radfahrer, Fußgänger und Straßenbahnbenutzer einbezieht. Über die Brücke sollen in Zukunft die Straßenbahngleise in Richtung Potsdamer Platz führen.

Klimaschutz beachten

„Die Einhaltung der Klimaschutzziele, die Berlin im Energiewendegesetz und im Berliner Energie und Klimaschutz Konzept (BEK) fixiert hat, erfordert eine drastische Reduzierung des Autoverkehrs“, heißt es dort weiter. Und die Fraktion unterstützt auch eine Online-Petition der IG Leipziger Straße, die sich ebenfalls gegen einen Umbau im Sinne der „autogerechten Stadt“ einsetzt.

„Der Bau einer so bedeutenden Stadtbrücke muss sowohl städtebaulich als auch gestalterisch öffentlich diskutiert werden, denn eine Mühlendammbrücke mit 32 Metern Breite ist ausreichend, um die notwendigen Flächen für die verschiedenen Verkehrsarten stadtverträglich unterzubringen“, heißt es dort. Eine Kfz-Spur pro Richtung reiche vollkommen aus. Ein 1:1-Ersatzneubau sei nicht im Sinne der Mobilitätswende, die in Berlin an anderen Orten bereits eingeleitet wurde. 

Datum: 17. November 2020, Text: kr, Bild: imago images/Joko