Letzte Ruhestätte: Zu Besuch bei Berliner Prominenten

Dreifaltigkeitsfriedhof-Kreuzberg

Freizeittipp: Ein Ausflug zum Dreifaltigkeitsfriedhof am Marheinekeplatz in Kreuzberg.

Der neuerliche Lockdown bietet viel Zeit für Spaziergänge – zum Beispiel über die schönen Berliner Friedhöfe. Historik-Führer Michael Buchner präsentiert an dieser Stelle seine Geheimtipps.

Der Dreifaltigkeitsfriedhof befindet sich unweit des Marheinekeplatzes an der Bergmannstraße 39-41. Die dazugehörige Kirche befand sich in der Friedrichstadt in Mitte, wo heute die Botschaft Nordkoreas steht. Der Gottesacker ist 1825, dem Zeitgeist folgend, als Alleequartierfriedhof angelegt worden. Er ist in Quadrate aufgeteilt, in denen die Gräber wegelos auf der Wiese verstreut werden.

 Auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof ruht das gehobene Bürgertum

Nur wenige Alleewege ziehen sich durch das Gelände. An der Außenmauer sind die Erbbegräbnisstätten des gehobenen Bürgertums zu finden. Hier liegen viele einstigen Bewohner der Friedrichstadt, deren Terrain heute auf die Bezirke Kreuzberg und Mitte aufgeteilt ist. Insbesondere wurde hier das Berlin der Romantik zu Grabe getragen: der Maler Carl Blechen, die Dichtermuse Charlotte von Kalb (Grabsteinspruch: „Ich war auch ein Mensch, sagt der Staub!/Ich bin auch ein Geist, sagt das All!“), die erste Geliebte Heinrich Heines, Amalie Friedländer, Schriftsteller Ludwig Tieck („Der gestiefelte Kater“) und der Entdecker der Blauen Grotte bei Capri, August Kopisch („Die Heinzelmännchen zu Köln“).

Berühmte Gräber aus der Kaiserzeit

Die berühmtesten Gräber aus der Kaiserzeit sind die von Historiker Theodor Mommsen und dem Maler Adolph Menzel. Das Grab der Schauspielerin Marie Seebach befindet sich in dem oberen Teil des Kirchhofs (siehe Foto). Sie ist in die Geschichte eingegangen als Stifterin eines Altersheims für Mittellose ihrer Zunft in Weimar. Auf dem Friedhof werden noch heute Bestattungen durchgeführt und eine der vielen prominenten Grabstellen der jüngeren Epoche ist die des Kabarettisten Tornado-Günter (Thews), der im Januar 1993 seiner Aids-Erkrankung erlag.

Michael Buchner veranstaltet Führungen auf Friedhöfen in und um Berlin. Anfragen nimmt er per Telefon oder E-Mail entgegen:
(0172) 780 65 42
michaelbuchner@hotmail.com

Datum: 5. November 2020, Text: Michael Buchner, Bild: Stefan Bartylla