Berlin-Köpenick: Segler fürchten Pläne des neuen Eigentümers

Das Gelände der Surf- und Segelschule am Müggelsee ist verkauft worden. Wassersportler kämpfen um ihre Idylle am Großen Müggelsee.

Seit vielen Jahren ist die Surf- und Segelschule am Ostufer des großen Müggelsees ein beliebter und bekannter Ort für Wassersport.  Windsurfen wird hier seit den 70er-Jahren aktiv betrieben. Hier lernen Menschen den Umgang mit Booten, leihen Surf-Boards aus oder genießen vom Ufer aus die sagenhaften Sonnenuntergänge bei einem Drink oder einem Imbiss, den das Strandbistro “Die Borke” anbietet.

Chris Hufenbach und Ralf Dietrich betreiben die Surf- und Segelschule seit 13 Jahren. Das rund 4.400 Quadratmeter große Grundstück haben sie gepachtet. Weil der private Eigentümer das Gelände an die Investorengruppe „Strandidyll Müggelsee GmbH“ aus Memmingen verkauft hat, sorgen sie sich um den Fortbestand der Anlage mit ihrem jetzigen Charakter. Schließlich betreibt der neue Eigentümer einige Hotelhäuser in ähnlich idyllischer Lage. Die Vermutung liegt nahe, dass auch auf dem Grundstück am Müggelsee ein solches Haus geplant ist.    

Initiative der Wassersportler wehrt sich 

Zur Rettung und zum Fortbestand der Segelschule hat sich deshalb vor wenigen Wochen die Initiative Wassersportler Müggelsee gegründet. Die fordert jetzt die Politik auf, sich einzuschalten und den Zugang zum Müggelsee für die Surf- und Segelschule trotz Verkauf zu sichern. “Das Gelände ist ein wichtiger Ort für Sport und Erholung im Bezirk und sollte den Sportlern und Bürgern weiterhin erhalten bleiben”, lautet deren Forderung.

Ihre Petition auf der Beteiligungsplattform OpenPetition hat inzwischen mehr als 5.000 Unterstützer. Mehrere Fraktionen im Bezirksparlament sowie der Bezirkssportbund Treptow-Köpenick haben genauso Solidarität mit der Initiative signalisiert wie auch Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD).

Bürgermeister Igel: Bezirk darf sich nicht einmischen

Igel sieht indes kaum Ansatzpunkte für politisches Handeln. “Grundsätzlich kann und darf sich das Bezirksamt in solcherlei privatrechtliche Angelegenheiten nicht einmischen”, sagt er. Jeder private Eigentümer habe das Recht, Eigentum an jemand anderen zu veräußern, ohne von der öffentlichen Hand beeinflusst zu werden. 

Gute Argumente zum Erhalt der Segelschule sieht Oliver Igel indes in diversen baurechtlichen Angelegenheiten, die das bezirkliche Stadtentwicklungsamt im Allgemeinen regelt. Das Grundstück der Surf- und Segelschule liege planungsrechtlich gesehen in einem Bereich, in dem eine Bebauung im Allgemeinen nicht zulässig sei. Darüber hinaus gebe es ein wasserrechtlich begründetes generelles Bauverbot, da das Grundstück in einer Trinkwasserschutzzone liege. Außerdem sei das Grundstück nicht an eine öffentlichen Verkehrsfläche angebunden, sondern nur über landeseigene Grundstücke zu erreichen.

Große Hürden für neues Hotel

Vor diesem Hintergrund sei der von vielen Seiten befürchtete Bau eines Kongresshotels völlig unbegründet. “Die bisherige Nutzung der Surf- und Segelschule und der “Borke” kann weitergeführt werden. Wenn dort etwas anderes gebaut oder genutzt werden soll, ergeben sich doch ganz erhebliche Hürden, die es zumindest zweifelhaft machen, ob die in der Öffentlichkeit genannten Nutzungsideen realistisch umsetzbar sind”, so der Bürgermeister.

Datum: 4. November 2020, Text Stefan Bartylla, Bild: imago images/Rolf Zöllner