Schonfrist für das Marzahn-Hellersdorfer Wahrzeichen

Bis zum Jahr 2022 ist der wirtschaftliche Betrieb der Seilbahn gesichert.

Seit der IGA 2017 wird der Betrieb der Seilbahn zwischen Marzahn und Hellersdorf mit Senatsgeld subventioniert. Auch der erneute Versuch, sie als Verkehrsmittel der BVG einzugliedern, scheiterte. Der Betrieb der Seilbahn ist nur bis Ende des Jahres 2022 gesichert.

Die Seilbahn gilt längst als ein echtes Bezirkswahrzeichen, das niemand mehr missen mag. Dennoch hat die Anlage mit den 64 Kabinen auf der rund 1.500 Meter langen Strecke eine ungewisse Zukunft. Von den zwei Millionen Euro, die der Betrieb in jedem Jahr kostet, schießt der Berliner Senat 1,1 Millionen Euro dazu – noch nicht einmal die Hälfte des nötigen Budgets erwirtschaftet die Bahn durch eigene Einnahmen. Dennoch setzen sich im Bezirk nahezu alle politischen Kräfte dafür ein, dass die Gondeln auch in den kommenden Jahren weiterfahren. Und das mit ersten Erfolgen: „Der Betrieb der Seilbahn ist bis 2022 gesichert“, heißt es in einer Meldung, die die Fraktion der Marzahn-Hellersdorfer Linken in der vergangenen Woche veröffentlichte.

Vorläufig subventioniert

Eigentlich wollte man die Anlage schon vor zwei Jahren durch Senatsfinanzen viel längerfristiger sichern. Dazu sollte sie in den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) eingegliedert werden. 2018 hatte die Fraktion der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus einen entsprechenden Antrag beim Senat eingereicht. Durch die Eingliederung wären Fahrten mit VBB-Fahrscheinen möglich gewesen – die wirtschaftlichen Verluste der Seilbahn wären über die BVG damit über den Senat finanziert gewesen „Die Seilbahn ist als Verkehrsmittel ebenso geeignet wie die bestehenden Fährverbindungen im Berliner ÖPNV“, lautete die Argumentation der CDU damals. Zudem habe die Anlage auch einen hohen touristischen Wert. Es sei daher geboten, sie zu erhalten und in das Betriebsvermögen der BVG zu überführen.

Fehlende Bedeutung

Bereits im IGA-Jahr 2017 hatte der Senat aber deutlich gemacht, dass ihm die Seilbahn eher ein Dorn im Auge sei. „Keine verkehrspolitische Bedeutung“ lautete die Einschätzung, die eine BVG-Integration verhinderte. Im Entwurf des Nahverkehrsplans 2018 tauchte die Seilbahn demnach auch nicht mehr allein. Allein politische Interventionen des Bezirks sorgten dafür, die Integration der Anlage in den VBB doch noch einmal in die Überprüfung zu geben.
Gemeinsames Engagement. „Die derzeitige Unsicherheit über die Zukunft unserer Seilbahn ist für den Bezirk sehr bedrückend“, äußerte sich indes auch Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Die Linke) zur längerfristigen Zukunft und Bedeutung der 1,5 Kilometer langen Bahn. „Wir brauchen endlich ein klares Bekenntnis des Senats zum Erhalt der Anlage, bestätigt der Abgeordnete Kristian Ronneburg seine Parteigenossin und fordert, dass sich parteiübergreifend alle Abgeordneten aus Marzahn-Hellersdorf für die Seilbahn stark machen.

Als verantwortliche Politiker wisse man zwar um die derzeit schwierige finanzielle Situation – dennoch sei gerade jetzt eine mehrjährige Sicherung der Anlage als wichtiger Baustein für die wirtschaftliche Entwicklung am östlichen Berliner Stadtrand notwendig, so Ronneburg. Es sei nicht nachvollziehbar, unterstrich der Abgeordnete, dass ein solch ökologisches Verkehrsmittel in Gefahr gebracht werde, während der Pkw-Verkehr reduziert und Platz gespart wird.

Wirtschaftliche Hängepartie

Für die CDU ist indes klar erkennbar, dass es bei der aktuellen Entscheidung nur darum geht, keine Verunsicherung im Wahljahr 2021 zu erzeugen. „Im Nahverkehrsplan ist eine Prüfung der Integration in den VBB bis zum Ende der Laufzeit des Vertrages im Jahr 2023 vorgesehen. Dies bedeutet, dass die aktuelle Regelung die Seilbahn noch nicht einmal bis zum Ende des Prüfzeitraums sichert“, heißt es in einer Stellungnahme der bezirklichen CDU zu diesem Thema.

Datum: 22. Oktober 2020, Text: Stefan Bartylla, Bild: Bild: imago images / Bernd Friedel