Berlin-Schöneweide: 300.000 Euro für ein Auslaufmodell

Der Schöneweider Fußgängertunnel ist bald ohne Funktion – zuvor wird er saniert.

Vor vier Jahren sorgte ein Brand im Fußgängertunnel vor dem Bahnhof Schöneweide für großen Schaden. Seitdem ist der Tunnel gesperrt. Derzeit nutzen Fußgänger noch die komplizierte Ampelinstallation zur Überquerung der Michael-Brückner Straße und der Tram-Gleise vor dem Bahnhof. Nun aber soll der Tunnel repariert werden. 300.000 Euro sollen diese Baumaßnahmen mindestens kosten, hieß es in einer Senatsantwort auf die schriftliche Anfrage des SPD-Abgeordneten Lars Düsterhöft im Mai.

Zwecklose Reparatur

„Das ist wirklich Verschwendung von Steuergeldern“, meint Düsterhöft, der weiß, dass spätestens mit Abschluss der Sanierungsarbeiten im und am S-Bahnhof Schöneweide dieser Tunnel nie wieder gebraucht wird. „Die Tram-Strecke wird dann doch ab der Brückenstraße geradeaus unter dem Bahndamm durchgeführt. Die Gleise, die jetzt parallel zur Michael-Brückner Straße vor dem Bahnhof entlang führen, werden verschwinden und der Fußgängertunnel wird ab 2023/24 überflüssig sein“, so Düsterhöft. An dieser Stelle könnten dann Fußgänger mit Ampeln über den sehr vereinfachten Kreuzungsbereich geführt werden, erklärt der Abgeordnete. Düsterhöft setzt sich nun für eine alternative Nutzung des Tunnels ein. „Ein Parkhaus für Fahrräder könnte hier jetzt schon entstehen“, lautet sein Vorschlag. Seine Anfrage dazu erreichte auf dem Dienstweg aber noch nicht einmal die entsprechende Sachbearbeiterin in der Senatsverwaltung.

Keine Motivation für andere Pläne

„Ich habe den Eindruck, dass man gar keine Alternativen hier haben will. Der Fußgängertunnel soll als solcher wieder eröffnet werden, weil verantwortliche Sachbearbeiter einfach ihr Gesicht wahren und dieses Projekt zu Ende bringen wollen“, glaubt der Abgeordnete. Ungeachtet der Tatsache, dass der Tunnel in naher Zukunft gar nicht mehr als Fußgängerweg benötigt und in ein paar Jahren womöglich sogar zugeschüttet werde, bliebe man beharrlich bei dem ursprünglichen Plan, der in der Folge wohl auch riesige Instandhaltungs- und Reinigungskosten nach sich ziehen wird – für einen Tunnel, den bald niemand mehr braucht.

Datum 22. Oktober 2020, Text und Bild: Stefan Bartylla