Steglitz-Zehlendorf: Investor schafft Fakten am Kranoldplatz

Ferdinandmarkt-Kranoldplatz

Was wird aus den kleinen Kiezläden, wenn Immobilienunternehmer Harald Huth seine Pläne am Kranoldplatz verwirklicht? Diese Frage hält die Bezirkspolitik weiter in Atem.

Die Linksfraktion Steglitz-Zehlendorf fordert die Verwaltung und andere Parteien auf, mehr für den Erhalt des Ferdinandmarktes (siehe unser Archivbild) in Lichterfelde Ost zu tun. “Die Verdrängung der Markthändler vom Ferdinandmarkt ist mittlerweile fast abgeschlossen”, heißt es in einer Mitteilung der Fraktion. Einzig ein Gemüsehändler sei markttags noch auf der historischen Fläche am Kranoldplatz vertreten.

In der jüngsten Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung hat die Linksfraktion einen Antrag eingebacht, der das Bezirksamt auffordert, die geltende städtebauliche Erhaltungsverordnung um den Kranoldplatz “kreativ zu nutzen”, um eine Fassadenschließung des dortigen Shoppingcenters, in dessen Vorhof der Ferdinandmarkt seit Jahren stattgefunden hat, durch den Immobilienunternehmer Harald Huth zu verhindern. Konkret ging es darum, die „Verordnung über die Erhaltung baulicher Anlagen und der städtebaulichen Eigenart des Gebietes „Lichterfelde-Ost“ in Bezug auf die Frage baulicher Veränderungen umzusetzen. Der Antrag fand allerdings keine Mehrheit.

Linksfraktion: Investor Harald Huth zerstört Wochenmarkt

“Leider konnte sich die schwarz-grüne Zählgemeinschaft in der Bezirksverordnetenversammlung nicht dazu durchringen, dem Investor durch dieses vorhandene städtebauliche Instrument der Erhaltungsverordnung die rote Karte zu zeigen”, heißt es weiter von der Linksfraktion. “Diese zögerliche Haltung bedauern wir sehr: Lippenbekenntnisse von CDU und Grünen reichen nicht aus, dem puren Verwertungsinteresse von Huth etwas entgegenzusetzen.”

Dieser werde “die Zerstörung des Ferdinandmarktes und damit eines wichtigen Teils des Kranoldkiezes ungehindert fortsetzen”. Der vor allem bei vielen Anwohner beliebte Ferdinandmarkt habe mehr als  100 Jahre an diesem Ort bestanden. Das Bezirksamt müsse jedes Instrument nutzen, um das Ensemble um den Kranoldmarkt in Lichterfelde Ost und damit auch den Ferdinandmarkt am historischen Ort zu schützen.

Angenommen wurde ein Antrag von CDU, SPD, Grünen und FDP zum Thema Ferdinandmarkt und Kranoldplatz. Darin wird das Bezirksamt ersucht zu prüfen, ob es zulässig ist, Verkaufsflächen von mehr als 800 Quadratmetern im Gebäudekomplex Ferdinandstraße 31-35 für die einzelnen Märkte nicht zu gewähren.

Große Geschäfte am Kranoldplatz geplant

Zum Hintergrund: Anfang des Jahres hat die HGHI Kranoldplatz GmbH einen Bauantrag für den Komplex Ferdinandstraße 31-35 eingereicht. Hinter dem Unternehmen steht der Immobilien-Investor und Einkaufscenter-Entwickler Harald Huth. Dieser will die Markthalle schließen und eine Zwischendecke für Büroflächen einziehen. Im Erdgeschoss sollen ein knapp 1.770 Quadratmeter großer Lebensmittel-Supermarkt  sowie zwei weitere Märkte (663 und 439 Quadratmeter) Platz finden. Seit Bekanntwerden des Plans herrscht im Kranoldkiez und in weiten Teilen der Bezirkspolitik Aufruhr.

Auch die Bürgerinitiative Kranoldkiez-Lichterfelde kämpft weiterhin gegen den Umbau des besagten Komplexes zulasten kleiner Händler. Im September zeigten rund 200 Unterstützer in einer spontanen Aktion vor dem Ferdinandmarkt Harald Huth die „Rote Karte“ wegen der Kündigung der Markthändler zum Ende des Monats und der beabsichtigten Schließung des über 100 Jahre alten Marktes, berichtet die BI. Symbolisch wurden 3.967 Unterschriften gegen die Umbaupläne und die Schließung des Marktes an Huth übergeben.

Datum: 17. Oktober 2020, Text: Nils Michaelis, Archivbild: imago images/Tagesspiegel