Treptow-Köpenick: Keine Rettungsseile für Eichhörnchen

Eichhörnchen

Bezirk streicht Querungshilfen für die putzigen Nager wegen hoher Kosten und Problemen mit der Versicherung.

Die 2014 konstruierte Überquerungshilfe am Müggelseedamm hatte Modellcharakter. Mit ihr wagte der Bezirk Treptow-Köpenick einen vorbildlichen Schritt in Sachen Eichhörnchenhilfe. Ein über die Straße gespanntes Seil sollte den kleinen Nagern Kletterhilfe bieten. Die Ergebnisse dieses Pilotprojekts seien positiv gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung der Fraktion der Linken im Bezirksparlament.

Daher sei es an der Zeit, die Tierschutzmaßnahme auszuweiten, hieß es in einem Antrag der Fraktion aus dem Jahr 2019 an die BVV. Dafür solle das Bezirksamt nach Möglichkeiten und Notwendigkeiten suchen lassen, um an weiteren Stellen „Querungshilfen für Eichhörnchen“ zu etablieren.

Voller Einsatz und Befragung aller Experten

Natur- und Tierschutzverbände, Vertreter der Berliner Forsten sowie Säugetierspezialisten sollten zur weiteren Sondierung der geeigneten Orte gesondert befragt werden. Außerdem gab es einen Bürgeraufruf zur Meldung potenzieller Gefahrenstellen für Eichhörnchen. Bis September kamen dabei fünf Rückmeldungen mit Standorten im Bezirk zusammen.

Im Auswertungsergebnis habe sich aber gezeigt, dass sich keine der benannten Orte als geeignet herausstellten, musste das Bezirksamt in einer Mitteilung an das Bezirksparlament nun einräumen. In fünf Fällen war die zu überbrückende Spannweite schlichtweg zu groß. Eine Meldung betraf eine nur wenig befahrene Anliegerstraße. Die Kosten für die Anfertigung eines rettenden Spezialseils und die Anbringung vor Ort hätten jeweils rund 10.000 Euro gekostet. Zusätzlich wären noch jährliche Kosten für Lockmittel, Futter, Wildtierkameras und einer spezielle Versicherung in Höhe von circa 3.000 Euro zusammengekommen.

Lösung nicht finanzierbar

Die Versicherung hätte jedoch nur für Eichhörnchenseile mit einer maximalen Spannweite von bis zu 25 Metern abgeschlossen werden können – zu kurz, um Straßen mit mehr als zwei Spuren zu überbrücken. Da also keine Orte für die Errichtung von Überquerungshilfen für Eichhörnchen laut BVV-Papier „qualifiziert werden konnten“, kam das Bezirksamt nun zum endgültigen Schluss, die Ausgaben für die Einrichtung, Wartung, Pflege und Versicherung eines solchen Seils schlichtweg einzusparen.

Datum: 10. Oktober 2020, Text: Stefan Bartylla, Bild: Bild: imago images/Marius Schwarz