Corona-Krise trifft Familien am härtesten

Mutter hilft Tochter beim Lernen

Arbeit, Kinderbetreuung und Haushalt unter einen Hut bringen zu müssen, zerrte während des Lockdowns gewaltig an den Nerven der Berliner. Umfassende Kontaktsperren machten es noch schwieriger. Wo sich Familien in Zukunft mehr Unterstützung wünschen.

Fast scheint es, als ob Berlin auf eine zweite Corona-Welle zusteuert. Vor allem in den Bezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln steigt die Infiziertenzahl deutlich. Schon wird die Furcht vor einem neuen Lockdown mit Kontaktsperren, Abstandsregelungen, Schließungen von Schulen, Kindertages- und Senioreneinrichtungen greifbar.
Starke Belastung. Da kommt eine im Auftrag des Berliner Beirats für Familienfragen durchgeführte Untersuchung gerade zur rechten Zeit.

Sie zeigt deutlich, dass die Probleme und Herausforderungen, vor die die Familien – insbesondere die mit kleineren Kindern – während der Zeit des Lockdowns gestellt wurden, große Belastungsfaktoren waren. Fast die Hälfte der befragten Familien gibt an, dass die Corona-Beschränkungen des Frühjahrs sie stark oder sogar sehr stark belastet hätten. Von den Befragten mit kleinen Kindern unter sechs oder zwölf Jahren gibt das sogar mehr als die Hälfte an.

Keine Angebote

Für 72 Prozent der Befragten war demnach die Kontaktsperre beziehungsweise die fehlende Möglichkeit zum Besuch von Großeltern oder Freunden am stärksten belastend. Es folgen mit 49 Prozent die Beschäftigung beziehungsweise Betreuung des Kindes oder der Kinder während der Arbeitszeit, die Sorge um Familienangehörige, Freunde und Bekannte (46 Prozent).

Unwesentlich dahinter (45 Prozent) wurden die fehlenden Möglichkeiten der Freizeitgestaltung durch Schließung von öffentlichen Einrichtungen und Orten wie Kinos, Bibliotheken, Musikschulen, Zoos und Freizeitparks oder durch Sperrung der Spiel- und Sportplätze beziehungsweise der Wegfall der sportlichen Angebote beklagt. Zu großen Belastungen haben auch die Schließung der Kindertageseinrichtungen und Schulen geführt.

Beengte Verhältnisse

Die große Mehrheit der Eltern von Kindern unter sieben Jahren beziehungsweise von schulpflichtigen Kindern hat in der Zeit des Lockdowns ihren Nachwuchs zu Hause betreut und im Homeoffice gearbeitet. Nur wenige konnten auf die Notbetreuung der Kita oder der Schulen zurückgreifen oder hatten Großeltern oder andere Familienangehörige, die die Betreuung übernommen haben.

Bei Familien mit geringen Einkommen (unter 2.000 Euro) haben zudem überdurchschnittlich häufig beengte Wohnverhältnisse beziehungsweise eine Wohnumgebung mit wenig Aufenthaltsqualität oder zu viel Enge sowie finanzielle Sorgen und Ängste für Stress gesorgt.

Geringe Kontakte

Die Erfahrungen mit dem Homeschooling waren durchaus durchmischt – rund die Hälfte der Eltern gibt an, dass sie beziehungsweise ihr Schulkind gut mit dem Lernen zu Hause zurechtkamen. Bei knapp der Hälfte aber klappte das Homeschooling weniger gut oder schlecht.

Ein Grund hierfür könnte auch in dem aus Sicht der Eltern nicht ausreichenden Kontakt mit den Lehrkräften liegen: Fast 60 Prozent hätten sich mehr Kontakt oder Kontaktmöglichkeiten gewünscht. Zudem gibt jedes dritte Elternteil eines schulpflichtigen Kindes an, von niemandem beim Heimunterricht Unterstützung erhalten zu haben, und das, obwohl über 60 Prozent angeben, ihr Kind hätte von den Eltern viel Hilfeleistung benötigt.

Mehr Hilfe

Für den Fall eines erneuten Lockdowns oder einer Verschärfung der Einschränkungen wünschen sich die Berliner Familien vor allem, dass es keine Kontaktsperren für enge Familienangehörige gibt und dass Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen und Ausbildungsstätten möglichst offengehalten werden.

Fast die Hälfte der Eltern kleinerer Kinder bis zwölf Jahre hätte gern Unterstützung vom Arbeitgeber, zum Beispiel durch flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice. Rund drei Viertel der Eltern schulpflichtiger Kinder wünschen sich den Angaben zufolge Unterstützung beim Homeschooling durch die Lehrkräfte und die Schulen.

Datum: 09. Oktober 2020, Text: Manfred Wolf, Bild: Getty Images/iStockphot/Fabio Principe 


Forsa hat vom 10. bis 20. August insgesamt 754 volljährige Personen
mit im
Haushalt lebenden Kindern oder Personen,
die sich um pflegebedürftige
Angehörige kümmern, befragt.
Die vollständige Studie finden Interessierte online
.