Chronologie der Deutschen Einheit

Am 3. Oktober ist der Tag der Deutschen Einheit. In diesem Jahr jährt sich dieses geschichtsträchtige Datum zum 30. Mal. Was in den Monaten vor der Einheit geschah:

18. März 1990: Erstmals freie Wahlen

12,4 Millionen wahlberechtigte DDR-Bürger konnten sich am 18. März 1990 zwischen 19 Parteien und fünf Listenverbindungen entscheiden. Die Wahlbeteiligung lag bei der ersten und letzten freien Volkskammerwahl bei 93,4 Prozent. 48 Prozent der Wähler votierten für die „Allianz für Deutschland“, bestehend aus der Ost-CDU, dem Demokratischen Aufbruch (DA) und der Deutschen Sozialen Union (DSU). In Umfragen hatte die SPD vorne gelegen. Sie wurde zweitstärkste Kraft (21,9 Prozent). Die zur PDS umbenannte SED wurde größte Oppositionspartei (16,4 Prozent).

4. September 1990: Stasi-Akten

Am 15. Januar 1990 besetzten DDR-Bürger die Zentrale der Staatssicherheit in Berlin. Sie wollten damit die Vernichtung der Geheimdienstakten stoppen. Am Ende war es die Besetzung der Stasi-Zentrale in der Normannenstraße und der damit einhergehende Hungerstreik von Bürgerrechtlern um Bärbel Bohley und Jens Reich vom September 1990, die zur Gründung der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) und deren Verankerung in den Einheitsvertrag führte. Erste Behördenleiter wurde Joachim Gauck, der 2012 sogar Bundespräsident wurde.

DDR-Volkskammer stimmt über Einigungsvertrag ab, 30. Jahrestag am 20. September.

20. September 1990: Wichtigster Vertrag

Bundestag und Volkskammer beraten am 20. September zum Einigungsvertrag. Die Volkskammer legt vor: 299 Abgeordnete stimmen für den Vertrag. 80 Abgeordnete von PDS und der Fraktion Bündnis90/Die Grünen stimmen dagegen. Im Bundestag stimmen 440 Abgeordnete dafür, 60 Gegenstimmen kommen von Bündnis 90/Die Grünen und CDU/CSU. Drei Abgeordnete enthalten sich.

3. Oktober 1990: Tag der Tage am Brandenburger Tor

Am 2. Oktober 1990 wurden die Außenminister der KSZE-Staaten über den bevorstehenden Zusammenschluss Deutschlands informiert. Dem vorausgegangen war am 12. September die Unterzeichnung des 2+4-Vertrages durch die Außenminister der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, der DDR und der BRD in Moskau. Er sichert dem wiedervereinten Deutschland volle Souveränität zu. Bei der letzten Sitzung der Volkskammer am 2. Oktober verabschiedet sich das erste und einzige frei gewählte Parlament der DDR. Sprecher aller Fraktionen würdigen die Arbeit des Parlaments: 181 Tage arbeitete die Volkskammer daran mit, den Weg in die Deutsche Einheit zu ebnen – mit Erfolg.

Um 21 Uhr beginnt im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt der Festakt zur Vereinigung. Unter der Leitung von Kurt Masur erklingt die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven. Ministerpräsident Lothar de Maizière und Bundeskanzler Helmut Kohl wenden sich über Rundfunk und Fernsehen an die Bevölkerung. Um Mitternacht wird der Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes wirksam. Die offizielle Feier mit Feuerwerk, findet im Beisein der höchsten Vertreter der Bundesrepublik und der ehemaligen DDR sowie hunderttausende von Menschen vor dem Berliner Reichstag statt.

Datum: 1. Oktober 2020, Text: Manfred Wolf, Bilder: imago images / Seeliger/Werner Schulze/ photothek/Kundel-Saro