Gewinner und Verlierer in Zeiten von Corona

Webshop 2020

Der Online-Handel wächst, doch viele analoge Läden haben Probleme. Der Handelsverband Deutschland startete eine Kampagne, um kleine Geschäfte fit fürs Netz zu machen.

In wenigen Wochen startet das Weihnachtsgeschäft. In normalen Zeiten hätten Ladenbesitzer Grund zur Freude: Gewöhnlich ist die Zeit zwischen Oktober und Dezember die umsatzstärkste und damit die Krönung des Jahres. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Der Lockdown im Zuge der Corona-Pandemie hat dem analogen Handel im Frühjahr massive Einbußen eingebrockt. Für viele Läden in Einkaufsstraßen oder Shopping Malls dürfte das Weihnachtsgeschäft die letzte Hoffnung sein, das Jahr zu überstehen.

Sattes Wachstum

Ganz anders sieht es im Online-Handel aus. Dieser zählt zu den Gewinnern der Corona-Krise. Im ersten Halbjahr verzeichneten die digitalen Händler ein Umsatzplus von 16 Prozent, berichtet das Magazin „Spiegel“ unter Berufung auf das Statistische Bundesamt. Davon profitiert am Ende auch die Gesamtbilanz der Handelsunternehmen in Deutschland. Laut dem Bericht lagen die preisbereinigten Umsätze in diesem Jahr insgesamt um 0,8 Prozent höher als in der zweiten Jahreshälfte 2019.

Dabei standen auch im vergangenen Jahr die Zeichen auf Wachstum. Die in Deutschland erzielten Bruttoumsätze mit online bestellten Waren stiegen nach Branchenangaben im Vergleich zu 2018 um 11,6 Prozent auf 72,6 Milliarden Euro. Corona hat einen Trend beflügelt, der seit Jahren immer deutlicher wird. 97 Prozent der Verbraucher, die über einen Internetzugang verfügen, nutzen das Netz zum Shoppen. Das hat im letzten Jahr eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom ergeben. Jeder Zweite kauft mittlerweile online auf dem Smartphone ein. Viele fragen sich: Wie soll das kleine Geschäft um die Ecke am digitalen Boom teilhaben? 

Existenzen bedroht

Laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) ist derzeit die Existenz von bis zu 50.000 Geschäften auch deswegen bedroht, weil viele Betriebe mangels Ressourcen bisher nur wenig digitalisiert sind. „Besonders leiden darunter die Innenstädte“, so der HDE. Vor diesem Hintergrund ist der HDE mit dem Internet-Giganten Google und weiteren Partnern ein Bündnis eingegangen, um ein Digitalisierungsprogramm für den Einzelhandel anzubieten: Bei der „Initiative ZukunftHandel“ handelt es sich um ein Paket aus Instrumenten und Trainings, das die teilnehmenden Unternehmen Schritt für Schritt vom klassischen Ladengeschäft hin zu einem hybriden Betrieb (offline und online) begleitet.

Zielsetzung ist außerdem, das stationäre Geschäft mithilfe von Online-Tools zu stärken. Im Fokus der Initiative stehen kleine Handelsbetriebe und Ladenbesitzer, die noch mit keiner eigenen Webseite und keinem eCommerce Angebot aufwarten können. „Der Einzelhandel bildet das Fundament unserer Innenstädte und leistet einen essenziellen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betont Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des HDE. 

Datum: 17. September 2020, Text: Nils Michaelis, Bild: Getty Images Plus/iStock/ijeab