Zu Besuch beim höchsten Baum Berlins

Diesmal geht es um die Folgen eines Jahrhundertsturms, sogenannte Saugstellen und einen Gedenkstein


In unserer Serie stellt Thorsten Wiehle von den Berliner Forsten einige jener 42 Touren vor,
die er im Buch „Auf Försters Wegen. Die schönsten Berliner Waldwanderungen“ beschreibt.
Folgen Sie ihm diesmal ins Revier Tegelsee III.



Kartenausschnitt

Auf diesem Ausflugstipp im Tegeler Forst geht es zum höchsten Baum Berlins – einer europäischen Lärche. Außerdem wird erklärt, was es mit den ausgefransten Bäumen auf sich hat. Gestartet wird mitten im Wald an der Konradshöher Straße, an der Bushaltestelle Mühlenweg der Buslinie 222. Von dort wird in nordwestliche Richtung dem kreuzenden Mühlenweg gefolgt. Nach wenigen Minuten steht man an einem Informationspunkt über eine besondere Fläche, die Schaustelle Sturm.


Jahrhundertsturm

Am 10. Juli 2002 tobte über Berlin einer der schwersten
Stürme (Jahrhundertsturm) seit Anbeginn der
Wetteraufzeichnung. Der Orkan verursachte mit
Windgeschwindigkeiten von bis zu 152 Stundenkilometern in Teilen
der Berliner Forsten zahlreiche Windwürfe mit
einem Gesamtschaden-Volumen von rund 11.000
Hektar Holz. Die Fläche dort an der „Schaustelle
Sturm“ hat eine Größe von ca. 5 800 Quadratmetern
(0,58 Hektar) und war zum Zeitpunkt des Orkans
mit 147 Jahre alten Rotbuchen bewachsen.


Hier erfährt man alles zum Jahrhundertsturm am 10. Juli 2002. Neben diesen Informationen kam man sich auch über ähnliche Themen sachkundig machen. So zum Beispiel: Was ist Sukzession? Was machen Totholzspezialisten? Wer bewohnt die Wurzelteller, die dort in den Himmel ragen? Oder: Wie entwickelt sich der Wald auf solchen Flächen? An den Schautafeln sollte man ruhig ein wenig Zeit einplanen.

Höchster Baum

Weiter geht es auf dem Mühlenweg in die gleiche Richtung. Nach etwa 100 Metern sieht man auf einer kleinen Anhöhe eine weitere Informationstafel. Läuft man zu dieser, steht man an den Wurzeln des höchsten Baumes Berlins, die 43 Meter hohe Burgsdorf-Lärche. Dieser Baum ist auch Baum des Jahres 2012.

Dem Mühlenweg wird noch ein Stück gefolgt, bis nach Südwesten (links) ein Weg abgeht, an dem ein Hinweisschild zur Saugstelle steht. Diesem Hinweis immer folgen, bis man die Saugstelle an einer Drei-Wege-Kreuzung erreicht. Saugstellen sind Feuerlöschbrunnen, an denen die Feuerwehr Pumpen anschließen kann, um bei Waldbränden das Grundwasser zum Löschen zu nutzen.

Auffällige Baumstämme

An der Saugstelle wird nach Südosten (links) abgebogen und ebenso auch an der nächsten Kreuzung. Auf diesem Weg wird wieder die Konradshöher Straße betreten. Nach dem aufmerksamen Überqueren lohnt sich ein kleiner Abstecher auf dem asphaltierten Fußweg in nordöstliche Richtung (links). Schon nach wenigen Metern sind auffällige Baumstämme zu sehen. In circa fünf Metern Höhe ragen ausgefranste Stämme in den Himmel.


Ausgefranste Stämme

Diese Buchen mussten im Zuge der Verkehrssicherungspflicht
gekürzt werden. Das Technische Hilfswerk
(THW) suchte zu Übungszwecken nach Möglichkeiten,
Sprengübungen durchzuführen. Dabei
geht es ihnen um das präzise Planen und Durchführen
von Sprengungen. Aus diesem Grund wurden in
enger Zusammenarbeit mit dem THW diese Bäume
gezielt in einer bestimmten Höhe gesprengt. Das
THW konnte so Erkenntnisse sammeln (wie z. B. die
richtige Dosierung der Sprengmittel, Sicherheitsabstände
zum Objekt, wer wofür verantwortlich ist,
usw.), die in einer Notfallsituation zur Rettung von
Menschenleben von Bedeutung sein können. Durch
das Sprengen der Bäume haben sich an den Bruchstellen
ähnliche Strukturen gebildet wie dies z. B.
bei Windbruch geschehen wäre. Das so entstandene
Biotopholz kann schneller von Pilzen und anderen
Lebewesen besiedelt werden. Bei dieser doch eher
außergewöhnlichen Methode wurden die Belange
des Naturschutzes optimal berücksichtigt.


Nach dem kurzen Abstecher geht es wieder zurück zu der Stelle, an der die Konradshöher Straße überquert wurde und man läuft wieder hinein in den Wald nach Südosten. An der nächsten Kreuzung wird nach Süden (rechts) abgegangen. Auf diesem Weg läuft man direkt auf die Wildgehege am Schwarzen Weg 6 zu. Hier sollte man sich ein wenig Zeit nehmen, um Muffel-, Dam- und Schwarzwild in den Gehegen zu beobachten.

Steinernes Gedenken

Der Spaziergang wird nach Nordosten (links) weiter geführt. Egal, ob man dem Waldweg oder der Straße nach Nordosten folgt, man geht bis zum niedrigen Gedenkstein von Friedrich August Ludwig von Burgsdorf (1747–1802). Ein paar Schritte zurück führt ein weiterer Waldweg nach Norden (also nicht in Richtung Tegeler See) in den Wald, auf dem weitergegangen wird.

Nach der Überquerung einer Kreuzung, an der ebenfalls gesprengte Bäume zu sehen sind, stößt man schon bald auf ein Waldgebiet, das als Referenzfläche ausgeschildert ist. Direkt am Schild wird nach Nordwesten (links) abgebogen und man folgt dem Weg zurück bis zur Konradshöher Straße. Dort schließt sich der Rundgang.


Auf Försters Wegen – Die schönsten Berliner Waldwanderungen
14,95 Euro
192 Seiten
via reise verlag
Im Buchhandel erhältlich oder bei
www.viareise.de