Wohnen in Häusern so hoch wie der “Himmel”

Berlin-Alexanderplatz

Berlin hat keine Tradition im hohen Bauen. Doch nun will die Hauptstadt anscheinend über sich hinauswachsen. Schließlich fehlt es vor allem an bezahlbarem Wohnraum. Doch die Pläne vom Wohnen in den Wolken gefallen nicht allen.

Zur Erinnerung: Der Masterplan von Hans Kollhoff zur „Stadtkrone“ mit zehn 150-Meter-Türmen am Alexanderplatz feiert dieses Jahr sein 25. Jubiläum. Realisiert wurde davon bisher noch nichts. Das Bauen von Hochhäusern in Berlin hat nämlich wenig Freunde. Doch der Plan besteht in seinen Grundzügen noch weiter. Grüne und Linke sind keine Hochhausfans, auch die Berliner SPD, die über Jahrzehnte die Baupolitik in der Stadt dominierte, ist bisher nicht mit vertikalen Visionen aufgefallen. Der Bauskandal um den Steglitzer Kreisel in den 1970er-Jahren brachte Hochhaus-Träume an der Spree für lange Zeit in Misskredit.

Intelligente Flächennutzung ist gefragt 

Doch die Stadt ist verdichtet, Flächen begrenzt und Mieten teilweise horrend hoch. „In der dynamisch wachsenden Stadt Berlin sind die räumlichen Entwicklungspotenziale begrenzt“, äußert sich Petra Rohlands von der Pressestelle der Senatsverwaltung gegenüber dem Berliner Abendblatt pragmatisch. Man komme um den Hochhäuserbau nicht umhin. Dieser soll nicht planlos vonstattengehen. Die Leitlinien des im Februar im Senat beschlossenen Hochhausleitbilds sollen verhindern, dass Bauten ohne sinnvolle Nutzung oder ohne Anpassung an das Stadtbild entstehen.

Bauen nicht ohne guten Plan

Das Hochhausleitbild gibt den Rahmen vor, um bei künftigen Hochhausvorhaben qualitätsvolle, nachhaltige und mehrwertschaffende Lösungen zu finden. Eine zentrale Voraussetzung für den Bau von Gebäuden über 60 Metern ist demnach ein Mindestwohnanteil von 30 Prozent. Sowohl im Erdgeschoss als auch im Dachgeschoss sollen solch hohe Bauten öffentlich zugänglich sein. Außerdem sollen die hohen Gebäude in die städtebildliche Struktur passen. „Es gibt Orte in Berlin, die sehr großmaßstäblich sind, eine hohe Zentralität und Dichte haben. Hochhäuser produzieren viel Publikums- und Straßenverkehr. Deshalb sollte man sie an gut erschlossenen Orten und mit einem Mehrwert für die Öffentlichkeit planen“, sagt die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf Nachfrage. An manchen Orten passen Hochhäuser also besser ins Bild – etwa am Alexanderplatz. Dort sollen in den kommenden Jahren gleich mehrere Hochhäuser aus dem Boden gestampft werden.

Diese Projekte sorgen für viel Aufsehen

Der Bau des „Alexander Berlin’s Capital Tower“, eines 150-Meter-Hochhauses am Alexanderplatz, ist in vollem Gange. Er soll bis 2023 das höchste Wohnhochhaus Berlins und eines der höchsten Deutschlands werden. Harte Verhandlungen Außerdem treiben die Grundstückseigentümer am „Alex“ die Planungen für weitere Hochhäuser voran. Der Bau des „Capital Tower“ läutet ein weiteres Jahrzehnt der Baustellen auf dem Alexanderplatz ein. Am Saturn-Sockel ist der Bauplatz für den umstrittenen Hines-Turm bereits mit einem Bauzaun versehen. Vertragliche Verhandlungen über technische Details, etwa zur Sicherung der U-Bahn-Anlagen finden derzeit statt. Für zwei weitere Türme im Umfeld des Park-Inn-Hotels sind die Planungen durch Convivio schon weit fortgeschritten, bei einem gibt es bereits eine Baugenehmigung.

Höchstes Hotel Deutschlands soll 175 Meter hoch werden

Auch Rene Benkos Signa mischt ordentlich mit. So soll außer dem Hochhaus am Alex in der Nachbarschaft zur MercedesBenz-Arena ein Hochhaus entstehen – für den Online-Riesen Zalando. Toppen kann derzeit keines dieser Vorhaben den Bau des höchsten Hotels Deutschlands – den „Estrel Tower“ in Neukölln. Er soll 175 Meter hoch werden. Die Fertigstellung für den Hotelturm ist nach so mancher Verzögerung nun für 2024 geplant.

Datum: 12. September 2020, Text: Anna von Stefenelli, Bild: imago images/PEMAX