Heizpilze als Corona-Hilfe für Berliner Wirte

Heizpilz vor Berliner Kneipe

Bezirkspolitiker lehnen Vorschlag der IHK zur Stärkung der Außengastronomie ab.

Der Herbst steht vor der Tür. Viele Kneipenwirte fragen sich, wie sie an den kalten Tagen über die Runden kommen sollen, wenn sie im Innenbereich wegen Corona weniger Plätze anbieten dürfen und zeitgleich im Außenbereich die Freisitze wegbrechen. Könnten Heizpilze die Rettung sein?

Genau diesen Vorschlag machte jetzt IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder. „Vor dem Hintergrund der Corona-Krise und den wirtschaftlichen Folgen für Gaststätten und Hotels sollten Senat und Bezirke den Berliner Betrieben die Möglichkeit eröffnen, Heizpilze temporär und genehmigungsfrei auf öffentlichen Außenflächen aufzustellen“, so Eder. Weil Heizpilze aber keine nachhaltige Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels seien, brauche es eine klimafreundliche Lösung, die Infektionsschutz und Klimaschutz vereint. Eder: „Wir schlagen vor, die Berechtigung zum Aufstellen eines Heizpilzes an die Registrierung auf einer Online-Plattform zu binden, die eine verpflichtende Klimaabgabe von festzulegender Höhe vorsieht.“

Klimakrise fortgeschritten

Zur Erinnerung: Seit 2009 sind Heizpilze auf öffentlichem Grund vor Lokalen in Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow, Tempelhof-Schöneberg und Treptow-Köpenick aus Gründen des Klimaschutzes verboten.

In einigen dieser Bezirke stößt Eders Vorschlag auf Widerstand. „Die Klimakrise ist so weit fortgeschritten, dass wir uns nicht mehr mit Klimaabgaben zufriedengeben dürfen“, so Monika Herrmann (Grüne), Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, gegenüber der „Berliner Morgenpost“. „Jedes Gramm Kohlenstoffdioxid, das vermieden werden kann, ist elementar. Jedes Gramm, was zusätzlich in die Luft gepustet wird, bringt uns näher an den Rand der Katastrophe.“

Ökologische Alternative

Auch Herrmanns Amtskollege aus Mitte hält nichts von einer temporären Genehmigung für Heizpilze. „Eine Erlaubnis bringt alle Gastronomen in Zugzwang, auch die, die sich diese Geräte nicht leisten können oder sie zurecht aus Klimaschutzgründen ablehnen“, sagte Stephan von Dassel (Grüne) der „Berliner Morgenpost“. „Moderne Lüftungsgeräte in den Restaurants und Bars bringen definitiv mehr, zumal sie auch kein Sicherheitsrisiko darstellen, wie die Heizpilze.“

Beider Parteifreundin, Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, äußerte sich differenzierter. Sie sprach sich dafür aus, Alternativen zu herkömmlichen Heizpilzen für Restaurants zu prüfen. So könnten elektrische Heizstrahler, die mit Öko-Strom betrieben werden, eine klimafreundliche Alternative sein. Die Corona-Pandemie treffe die Gastronomie hart, gasbetriebene Heizpilze seien allerdings keine klimafreundliche und intelligente Lösung. Auch Pop warb im rbb dafür, Infektions- und Klimaschutz in Einklang zu bringen.

Datum: 10. September 2020, Text: nm, Bild: imago images/Christian Schroth