Berlin-Spandau: Mahnwache für Toleranz feiert Jubiläum

Mahnwache in Spandau

In Zeiten des erstarkenden Rechtsextremismus ist ihr Engagement gefragter denn je: Seit 20 Jahren demonstrieren Menschen in Spandau gegen den Hass und für Toleranz.

An jedem ersten Sonnabend im Monat, von 11 bis 12 Uhr, stehen Menschen auf dem Marktplatz in der Altstadt Spandau ein für Toleranz und ein friedliches Miteinander, gegen Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Sie suchen das Gespräch, parieren kritische Fragen und mahnen „Flüchtlinge willkommen heißen”.

Die Jubiläums-Mahnwache findet am 5. September zur gewohnten Zeit auf dem Marktplatz statt. Dabei gilt die Abstandsregel, eine Mund-Nasen-Bedeckung ist angeraten. Die sonst übliche Andacht um 10 Uhr fällt wegen der Corona-Pandemie aus. 

Bekenntnis zur Vielfalt

„Wir nehmen es nicht hin, dass in unserem Land Menschen anderer Hautfarbe, anderer Sprache oder Religion missachtet, beschimpft, angegriffen oder sogar ermordet werden”, heißt es aus dem Kreis der Initiatoren. „Wir wollen zeigen, dass die Täter in unserer Gesellschaft keinen Rückhalt haben.”

Dabei beziehen sie sich unter anderem auf die Artikel 1 und 3 des Grundgesetzes. Darin heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.” Und: „Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.”

SPD-Politiker Raed Saleh: Mehrheit teilt Grundwerte

Glückwünsche zum 20. Geburtstag kommen von Raed Saleh, SPD-Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus.        „Ich bewundere die Ausdauer, mit der diese Menschen für unsere Demokratie eintreten”, sagt Saleh. „So traurig angesichts aktueller antisemitischer und rassistischer Mordtaten und in die Parlamente gewählter Rechtsextremisten  die Notwendigkeit einer solchen Mahnwache ist, zeigt sie doch, dass die Mehrheit in diesem Land zu dessen Grundwerten wie Menschenrechte und Respekt steht”, so der Spandauer Politiker.

Im September 2000 hatten erstmals Menschen, die sich in den Arbeitsgemeinschaften für Asyl sowie für Christen und Juden im Evangelischen Kirchenkreis Spandau engagierten, gegen die damalige Zunahme antisemitischer und rassistischer Gewalt demonstriert. „Sie fanden mit ihren monatlichen Mahnwachen auf dem Marktplatz der Altstadt schnell Unterstützung von der Jugendarbeit des Evangelischen Kirchenkreises sowie aus der Katholischen Kirche Spandau”, heißt es aus Salehs Büro. Weitere Initiativen der Zivilgesellschaft schlossen sich an.

Weitere Informationen zur Mahnwache gibt es hier.

Datum: 30. August 2020, Text: red/nm, Bild: Evangelischer Kirchenkreis Spandau