Die gelbe Zukunft des Berliner Nahverkehrs ist elektrisch

BVG

Hochmoderne U-Bahn-Züge ab 2022 und jetzt schon die ersten Elektro-Schlenkis: Der Berliner Nahverkehr soll klimafreundlicher werden.

Die Zukunft des Nahverkehrs in Berlin ist größtenteils gelb und wird zunehmend elektrisch. Und das nicht mehr nur im Untergrund und auf Schienen, sondern auch auf der Straße. Mit dem Solaris Urbino 18 electric gehört seit Kurzem der erste vollelektrisch angetriebene Gelenkbus zu Deutschlands größter Stadtbusflotte. 16 weitere werden in den nächsten Wochen von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) übernommen.

Spürbarer Unterschied

Nach kurzem Testbetrieb sollen die neuen E-Schlenkis ab Sommer alle Fahrten auf der Linie 200 übernehmen und so für noch bessere Luft in der Innenstadt sorgen. Genau wie die Fahrzeuge der bisherigen Gelenkbus-Flotte sind die Neuzugänge 18 Meter lang und bieten Platz für 99 Fahrgäste. Für einen spürbaren Unterschied sorgt der nahezu geräuschlose Elektroantrieb. Erstmals in Berlin werden die neuen Fahrzeuge innerhalb weniger Minuten per Pantograf an den Endhaltestellen geladen. Die dazu benötigten Schnellladesäulen an der Hertzallee und der Michelangelostraße liefert die Firma Siemens.

Gefördertes Projekt

Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne): „Die ersten E-Gelenkbusse sind ein weiterer Meilenstein für den Klimaschutz und die Modernisierung der BVG.“ Die Fahrzeuge und Infrastruktur werden im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojektes „E-MetroBus“ beschafft. Das Projektvolumen beläuft sich insgesamt auf rund 16,74 Millionen Euro. Davon trägt die BVG jene Kosten, die für die Anschaffung vergleichbarer Dieselbusse angefallen wären. Im Rahmen der Förderrichtlinie Elektromobilität wird das Projekt mit insgesamt 4,3 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert. Die restlichen Mehrkosten übernimmt das Land Berlin.

Wichtige Investition

Mehr Leistungsstärke und Klimafreundlichkeit verspricht sich Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) von der neuen U-Bahn-Generation. Unter dem Motto „Aus Berlin, für Berlin“ wurden die neuen Baureihen „JK“ (Berliner Kleinprofilnetz – U1 bis U4) und „J“ (für das Großprofil (U5 bis U9) von der Firma Stadler in Pankow entwickelt und werden dort ab jetzt auch gebaut. Mit diesen wichtigen Investitionen sorge Berlin für moderne Mobilität und machen den ÖPNV für seine Bewohner und Gäste noch attraktiver. „Zusätzlich“, so Pop, „sichern wir viele Arbeitsplätze in einem Unternehmen, das in Berlin tief verwurzelt ist.“


Visualisierungen der Klein- und Großprofil-Wagen der neuen U-Bahn.

Ab 2022 können die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) während der Laufzeit des Rahmenvertrages bis 2030 insgesamt voraussichtlich bis zu 1.500 Wagen abrufen. Die feste Mindestbestellmenge umfasst 606 Wagen. Zum Vergleich: Der aktuelle Fuhrpark verfügt, über alle Baureihen und -jahre hinweg, über rund 1.300 Wagen. Bis zu rund drei Milliarden Euro investiert die BVG in den kommenden Jahren in die Erneuerung der U-Bahn-Flotte.

Mehrmonatiger Testbetrieb

Die ersten insgesamt 24 Wagen, je zwölf für das Klein- und für das Großprofil, sollen im Herbst 2022 aus dem Pankower Stadler-Werk an die BVG überführt werden. Nach einem mehrmonatigen Testbetrieb, intensiven Prüfungen und der Zulassung beginnt dann Ende 2023 die Serienlieferung. Vereinbart ist eine Lieferung von vier Wagen alle fünf Werktage – die Züge kommen also deutlich schneller zur BVG als zuletzt die Züge der Baureihe IK.

Übrigens: Die Fahrgäste können sich schon in diesem Jahr einen ersten Eindruck der neuen Fahrzeuge verschaffen. Voraussichtlich im Herbst wird ein sogenanntes „Mock-Up“ nach Berlin kommen. Wo das lebensgroße Modell eines U-Bahn-Wagens zu sehen und begehen sein wird, gibt die BVG rechtzeitig bekannt.

Datum: 27. August 2020, Text: Manfred Wolf, Bilder: BVG, Stadler