Berliner Behörden nehmen Elterntaxis ins Visier

Schulkind Berlin

Bezirke und Polizei gehen gegen Mütter und Väter vor, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren.

Mit Beginn des neuen Schuljahrs kehrt auch das Problem der Elterntaxis an die Berliner Schulen zurück. Die Ordnungsämter mehrerer Bezirke haben angekündigt, dem mit verstärkten Kontrollen entgegenwirken zu wollen. Behördenmitarbeiter sollen Eltern ermahnen, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen und gegen Verkehrsregeln verstoßen.

Schulwege werden überwacht

In Reinickendorf hat Ordnungsstadtrat Sebastian Maack (AfD) das Problem der Elterntaxis schon länger im Blick. „Das Ordnungsamt wird auch in diesem Schuljahr wieder verstärkt gegen das morgendliche Verkehrschaos vor Schulen und Kitas vorgehen“, sagt er. Im Bezirk Mitte ist geplant, das Ordnungsamt in den ersten beiden Wochen nach Ferienende vermehrt auf Verkehrssünder anzusetzen. Es würden „schwerpunktmäßig verstärkt die Schulwege überwacht und die Einhaltung der Verkehrsregeln kontrolliert“, so ein Bezirkssprecher.

In einer gemeinsamen Erklärung rufen das Deutsche Kinderhilfswerk, der Verkehrsclub Deutschland und der Verband Bildung und Erziehung alle Berliner Eltern auf, ihre Kinder nicht mit dem Auto zur Schule zu bringen. „Elterntaxi muss nicht sein. Zur Schule geht es auch zu Fuß, mit dem Roller oder dem Fahrrad“, so die Verbände. Es sei förderlich für die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder, wenn sie ihren Schulweg aktiv bewältigen.

Schülerlotsen im Einsatz

Die Senatsverwaltung für Schule rät ebenfalls, auf Elterntaxis zu verzichten und so einen Beitrag zur Verbesserung der Verkehrssituation vor den Schulen zu leisten. „Eltern sollten ihre Kinder im ersten Schuljahr noch begleiten, aber ab dem zweiten Schuljahr können sie in der Regel den Schulweg gemeinsam mit Klassenkameraden meistern“, sagt Behördensprecher Martin Klesmann. Er weist auch darauf hin, dass die Polizei zum Beginn des Schuljahrs verstärkt auf die Verkehrssicherheit vor den Schulen achten wird – zudem seien vielfach Schülerlotsen im Einsatz.

Konkret wird die Polizei ihre Kontaktbereichsbeamten an die Schulen schicken. „Sie sollen insbesondere an größeren Straßen und Kreuzungen auf die neu eingeschulten Kinder achten“, so ein Polizeisprecher. Grundsätzlich werde man in der ersten Zeit nach den Ferien vermehrt polizeiliche Kontrollen im Umfeld der Schulen durchführen.

Alle Verkehrsteilnehmer sind gefragt

Die Verantwortung für die Verkehrssicherheit liegt aber nicht allein bei den Behörden und den Eltern. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, sagt: „Nach den Sommerferien und der langen Corona-Pause sollten alle Verkehrsteilnehmer sensibilisiert sein, dass vor allem morgens wieder viele Kinder unterwegs sind.“

Dieser Beitrag erschien am 10. August in der Berliner Zeitung

Datum: 11. August 2020, Text: Mike Wilms, Bild: imago images/allOver-MEV