Schulstart zwischen Virus und Mangel

Was Schüler und Lehrer im neuen Schuljahr erwartet.

Dieser Weg wird kein leichter sein: Wenn am 10. August mehr als 332.000 Mädchen und Jungen an etwa 582 allgemeinbildenden Schulen in das neue Schuljahr starten, wird nichts mehr so sein wie noch im letzten Jahr. Der Schulbesuch – sowohl bei Schülern und Eltern als auch bei Lehrkräften und Mitarbeitern – wird überschattet von der Angst vor Corona. Dem soll ein neuer Musterhygieneplan Rechnung tragen, den Schulsenatorin Sandra Scheeres am Dienstag der zurückliegenden vorstellte.

Andere Empfehlung

Jede Schule habe auf der Grundlage des landesweiten Musterhygieneplans einen individuellen Hygieneplan erstellt, teilte die SPD-Politikerin mit. Hygieneregeln wie regelmäßiges Händewaschen und das regelmäßige Lüften der Räume müssen eingehalten werden. Mehrmals täglich, mindestens einmal in jeder Unterrichtsstunde beziehungsweise Betreuungsstunde, sowie in jeder Pause soll eine Durchlüftung über mehrere Minuten vorgenommen werden. Der direkte körperliche Kontakt sei, soweit möglich, zu vermeiden, der Mindestabstand von 1,5 Metern ist in Schulen aufgehoben. In allen Schulen gilt bis auf den Unterricht und die Durchführung der außerunterrichtlichen und ergänzenden Förderung und Betreuung die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in geschlossenen Räumen. Schulfremde Personen, also auch Eltern, müssen eine Gesichtsmaske tragen.

Sicheren Arbeitsplatz schaffen

Das gesamte Schulpersonal kann sich auch ohne Symptome kostenlos und zeitnah testen lassen. Grundsätzlich gilt im neuen Schuljahr die Schulpflicht für alle. Schüler, die wegen einer Grunderkrankung bei einer Infektion mit dem Corona-Virus ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Krankheit haben können (Risikogruppe), müssen dies durch Vorlage einer entsprechenden ärztlichen Bescheinigung glaubhaft machen. In diesem Fall erfolgt bis auf weiteres das schulisch angeleitete Lernen zu Hause. Das gilt auch, wenn eine andere im Haushalt der des Schülers lebende Person zur Risikogruppe gehört.

Volle Stundenzahl erreichen

Doch nicht nur die Angst vor dem Virus ist Gesprächsthema unter Berlins Lehrerschaft. So übertrifft das Ausmaß des Lehrermangels laut Gesamtpersonalrat noch das der Vorjahre. Rund 450 Lehrer hätten gekündigt, um in solchen Bundesländern zu arbeiten, in denen Lehrer noch verbeamtet werden. Und das sind inzwischen bis auf Berlin alle.

Die Bildungsverwaltung wollte diese Zahlen nicht bestätigen, fest steht jedoch, dass zum neuen Schuljahr 2.547 Vollzeitstellen neu besetzt werden müssen. Was nichts anderes heißt, als dass rund 3.000 Kräfte benötigt werden, da viele Pädagogen nicht die volle Stundenzahl arbeiten. Das betrifft vor allem Quereinsteiger, die neben dem anstrengenden Lehrerjob noch qualifiziert werden müssen.

Keine Chance

Zwar konnte die Bildungsverwaltung 2700 Lehrkräfte einzustellen, doch davon sind gerade einmal 1616 Personen sogenannte Laufbahnbewerber, also ausgebildete Lehrkräfte. Dazu kommen 792 Quereinsteigende, die mindestens ein Fach der Berliner Schule studiert haben, sowie 98 sonstige Lehrkräfte. Insgesamt befinden sich davon noch etwa 200 Personen im Einstellungsprozess. Hauptkritikpunkt des Gesamtpersonalrates war schon im vergangenen Jahr, dass viele der mehr als 36.800 Erstklässler von Quereinsteigern unterrichtet werden.

Dagegen müssten in Bayern zum Beispiel Lehrkräfte eine ein- bis zweijährige Qualifikation absolvieren, um an Grundschulen unterrichten zu dürfen. Immerhin verspricht die Bildungssenatorin, im Laufe des ersten Schulhalbjahres ein Verstärkungs-Pool aufbauen zu wollen. Diese Kräfte sollen die Lehrkräfte vertreten, die zum Beispiel wegen ärztlich attestierter Vorerkrankungen in der Pandemiezeit keinen Präsenzunterricht erteilen können.

Datum: 6. August 2020, Text: Manfred Wolf, Bild: imago images/Stefan Noebel-Heise