Corona in Berlin: Kein Grund für Entwarnung

Corona Mund-Nasenschutz

Experten schätzen die Corona-Gefahr in Berlin und weltweit weiterhin als hoch ein.

Die Bilder vom vergangenen Wochenende haben für Unverständnis und Entsetzen gesorgt. Zehntausende Menschen, darunter Rechtsextremisten und Verschwörungstheoretiker, demonstrierten gegen die Einschränkungen und Vorschriften im Zuge der Corona-Pandemie, der Großteil unter Missachtung sämtlicher Hygiene- und Abstandsregeln. Damit gefährdeten die aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten Teilnehmer sich und andere. Nicht auszudenken, wenn daraus ein zweites Ischgl wird.

Neue Corona-Ausbrüche in Afrika und Australien

Im Vorfeld der Großkundgebung hatten die Initiatoren die Corona-Seuche für beendet erklärt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht vom Gegenteil aus. Nach Auffassung der WHO ist ein Ende der Pandemie noch lange nicht in Sicht. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sie „sicher sehr lang“ andauern werde. In Lateinamerika, der Karibik, in Südafrika und Australien greift Covid-19 immer mehr um sich.

Zum Wochenbeginn hatten sich weltweit rund 17,8 Millionen Menschen infiziert. Mehr als 685.000 Menschen starben in Verbindung mit einer Infektion. Länder, die Corona zunächst unter Kontrolle gebracht hatten, melden inzwischen neue Ausbrüche. So erklärte der australische Bundesstaat Victoria nach einem dramatischen Anstieg von Infektionen den „Katastrophenzustand“ und verschärfte die Ausgangssperre in der Millionenmetropole Melbourne.

Infektionszahlen in Deutschland steigen

Auch hierzulande wächst die Angst vor einer zweiten Corona-Welle. Noch ist die Situation vergleichsweise ruhig. Für Berlin meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwoch 9.399 bestätigte Corona-Fälle. Das waren 32 Fälle mehr als am Vortag. Zum Vergleich: Zwischen Sonntag und Montag lag das gemeldete Plus bei sieben Fällen.

Bundesweit kletterte die Fallzahl um 741 auf 212.022. Das RKI sieht einen beunruhigenden Trend. Demnach war die Anzahl der neu übermittelten Fälle in Deutschland von Mitte März bis Anfang Juli rückläufig. Seitdem nimmt sie stetig zu. Schon seit Beginn der Sommerferien wird von verschiedener Seite vor einer (möglichen) zweiten Corona-Welle gewarnt.

“Krankenhäuser sind vorbereitet”

“Wir befinden uns in einer zweiten, flachen Anstiegswelle”, sagte die Vorsitzende der Ärzteorganisation Marburger Bund, Susanne Johna, der “Augsburger Allgemeinen”. Zugleich versicherte sie, dass die Krankenhäuser darauf vorbereitet seien.Das RKI schätzt die Gesundheitsgefahr durch eine Corona-Infektion weiterhin insgesamt als hoch ein, für Risikogruppen als sehr hoch.

Am kommenden Wochenende gehen in Berlin die Sommerferien zu Ende. Dann wird sich zeigen, wie sich die Urlaubssaison und der Start in das neue Schuljahr auf die Corona-Lage auswirken. Da ist es fast schon beruhigend, dass die Kliniken auf das Schlimmste vorbereitet sind. Die Kapazitäten von Betten und Beatmungsgeräten seien bundesweit längst nicht ausgereizt und könnten selbst mehr als 30.000 Neuinfektionen verkraften, so Reinhard Busse, Professor für Management im Gesundheitswesen an der TU Berlin, gegenüber der „Berliner Zeitung“. „Eine derartige Entwicklung möchte man sich allerdings nicht ausmalen.“

Datum: 6. August 2020, Text: Nils Michaelis, Bild: imago images/Stefan Zeitz