Berlin-Köpenick: Streit um den Müggelheimer GASAG-Klotz

Mitten auf dem Dorfplatz verdeckt ein neu gebautes Beton-Häuschen den Blick auf den historischen Ortskern von Müggelheim.

Anfang Juli hat die die GASAG dort ein Betonhäuschen aufgestellt, in dem sie eine Gasdruckregelanlage betreibt. So eine Anlage gibt es bereits schon seit Jahrzehnten auf dem Anger. Die alte Anlage ist passend zur historischen Architektur mit Kirche und Alter Schule in einem kleinen Gebäude mit einem mit Dachpfannen gedeckten Spitzdach versteckt. Die Technik darin hat nun leider ausgedient, da sie die Anforderungen mit den vielen neuen Gasanschlüssen in Müggelheim nicht mehr bewältigen wird.

Nachbarn wehren sich

Die neue Gasdruckregelanlage wird dies hingegen tun. Das finden auch die Müggelheimer gut. Allein die klotzartige Gestaltung und die Position unmittelbar vor der historischen Kirche sorgen für vehemente Proteste bei Müggelheimer Anwohnern und Köpenicker Denkmalschützern. Wer den Dorfanger betrachtet, sieht nämlich nun nur noch den Klotz: Zahlreiche Protestationen, Unterschriftensammlungen und Aufrufe in Sozialen Netzwerken wurden seit Anfang Juni vom Heimatverein und anderen Müggelheimer Nachbarn mit dem Ziel gestartet, diesen Beton-Quader vom Dorfanger zu verbannen.

In Sachen Denkmalschutz sei alles korrekt verlaufen, sagt das Bezirksamt „Nach gewissenhafter Prüfung genehmigte die bezirkliche Bauaufsicht den Neubau auf dem Dorfanger. Dazu wurden sowohl die Untere Denkmalbehörde, die Stadtplanung als auch der Fachbereich Tiefbau beteiligt. Alle Instanzen stimmten dem Bau der neuen Ortsdruckregelanlage zu“, heißt es in einer Stellungnahme aus dem Köpenicker Rathaus.

Die Bedingungen dazu waren der Schutz des Altbaumbestands, der Rückbau der bisherigen Anlage und die Errichtung des Neubaus mit einer maximalen Höhe von 2,50 Meter. Als optische Vorgaben galt die Verwendung „denkmalgerechter“ Baustoffe – Kunststofffenster und -türen durften nicht verbaut werden. Das Gebäude durfte zwar modern gestaltet werden, sollte sich aber zurückhaltend in den Denkmalbereich einfügen. Und genau am letzten Punkt hapert es nun ganz gewaltig, finden die Müggelheimer.

Neue Standortvarianten in Prüfung

Auch Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) sieht das so. Er hat  nun auch Gespräche mit dem Bauherrn aufgenommen. „Ich habe bei dem Chef der Netzgesellschaft darum gebeten, eine andere Standortvariante auszuwählen. Für einen Standort im historischen Teil Müggelheims oder in Blickrichtung der historischen Gebäude wäre es zudem dringend notwendig, keine moderne Baugestaltung vorzunehmen, sondern sich in der Bauausführung dem Angesicht der Altbauten anzupassen. Besser wäre jedoch auf jeden Fall eine Standortwahl im Neubaubereich Müggelheims“, teilt Igel dazu mit.

Die GASAG wolle jetzt andere Varianten für die Installation des ungeliebten Häuschens prüfen, das die Versorgungssicherheit gewährleiste und sich mit dem vorhanden Ortsbild besser vereinbaren lasse, heißt es aus dem Bezirksamt. Dazu sollen nun auch Gespräche unter Beteiligung des Heimatvereins Müggelheim geführt werden. Damit würde zumindest mittelfristig die Möglichkeit bestehen, das gewohnte und geschützte historische Ortsbild und einen freien Blick über den Müggelheimer Dorfanger wiederherzustellen.

Datum: 3. August 2020, Text und Bild: Stefan Bartylla