Berlin-Reinickendorf: Grüne fordern verkehrsberuhigte Einkaufsmeile

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Die Heinsestraße könnte eine gemütliche Flaniermeile sein. Die steigende Verkehrsbelastung trübt allerdings die Stimmung in Hermsdorf.

Immer mehr Pendler nutzen die beliebte Einkaufs- und Ausgehstraße im Herzen des Reinickendorfer Ortsteils als Ausweichroute zwischen Frohnau und Waidmannslust. Häufig sind Autos mit überhöhter Geschwindigkeit in der Tempo-30-Zone unterwegs. Auf der vergleichsweise schmalen Fahrbahn kommen sie mit Radfahrern ins Gehege. Diese wiederum weichen oftmals auf den Gehweg aus.

Anwohner und Bezirkspolitiker diskutieren schon seit Jahren darüber, wie eine Lösung für die offenkundig überlastete Verbindung aussehen könnte. Bis hin zur Einrichtung einer Fußgängerzone reichten die Ideen.

Lösung für viele Beteiligte gefragt

Derzeit gewinnt das Thema wieder an Fahrt. Die Reinickendorfer Grünen-Fraktion hat dazu in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) einen Antrag auf den Weg gebracht. Darin wird das Bezirksamt aufgefordert,  eine Machbarkeitsstudie zu beauftragen, die untersucht, wie die Aufenthaltsqualität in der Heinsestraße für Anwohner, Einzelhandel, Gastronomie, Gewerbetreibende sowie Besucher verbessert werden kann.

Als Beispiel wird die Umgestaltung in eine verkehrsberuhigte Zone genannt. “Eine mögliche Lösung  könnte sein, die Heinsestraße vom Fellbacher Platz bis zum Hermsdorfer Damm als Mischnutzungsfläche verkehrsberuhigt zu gestalten”, so die Grünen. Bei diesem Konzept bliebe der Fahrrad- und Fahrzeugverkehr mit Schrittgeschwindigkeit erlaubt, allerdings erhalten Fußgänger Vorrang und dürfen die Straße in ihrer ganzen Breite benutzen.

Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie soll öffentlich vorgestellt und im Rahmen einer Bürgerbeteiligung mit allen Betroffenen und Interessengruppen vor Ort diskutiert werden, um eine “breit getragene Lösung” zu erreichen. 

Autofahrer suchen sich neue Wege

Vom Durchgangsverkehr ist in dem Papier nicht die Rede. Zumindest nicht direkt. Die Einrichtung einer verkehrsberuhigten Zone würde wohl bedeuten, dass sich Autofahrer, die die chronisch verstopfte Bundesstraße 96 meiden, neue Wege durch den Berliner Norden suchen werden. Anwohner haben unter anderem angeregt, eine Einbahnstraßenregelung vom Fellbacher Platz bis und in Richtung Hermsdorfer Damm einzurichten. 

Baustadträtin Katrin Schultze-Berndt hält nichts davon, den Autoverkehr aus der Heinsestraße komplett zu verdrängen. “Das würde sicherlich den Einzelhandel treffen, der auch davon lebt, dass im Vorbeifahren schnell ein Stück Kuchen gekauft werden kann”, so die CDU-Politikerin. “Außerdem darf die Feuerwehr in ihrer Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt werden.” Die Einführung eines Einbahnstraßensystems in der Heinsestraße und ihrem Umfeld sei eine Option, “jedoch führen Einbahnstraßen wegen des fehlende Gegenverkehrs oft auch zu einer Beschleunigung des Verkehrs, die wiederum nicht gewünscht ist”. Zudem würde der Verkehr ein weiteres Umfeld belasten.

Letztlich müsse eine intensivere Betrachtung der Heinsestraße mit dem gesamten Umfeld erfolgen, denn die Erfahrung lehre, dass Verkehr durch Sperrungen nicht verschwindet, sondern verdrängt wird. “Ich freue mich auf Vorschläge”, sagt die Stadträtin.

SPD fordert Tempo 20

Auch innerhalb der SPD wird das Thema Heinsestraße immer wieder diskutiert. Angela Budweg, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der SPD-Bezirksfraktion und Vorsitzende der SPD-Abteilung Hermsdorf, geht davon aus, dass die Genossen die Forderung nach einer Machbarkeitsstudie unterstützen könnten. Die von den Grünen favorisierte Verkehrsberuhigung sieht sie kritisch. “Natürlich hat die Heinsestraße einen großen Anteil an Durchgangsverkehr, sie ist als Einkaufsstraße aber auch Auslöser von Zielverkehr”, sagt sie. In einem Ortsteil am Stadtrand seien die Entfernungen zum nächsten Nahversorger nicht immer fußläufig erreichbar. “Wenn wir die Heinsestraße als Ortsteilzentrum nicht schwächen wollen, darf der Kfz-Verkehr nicht unbeachtet bleiben.”

In den Hermsdorfer SPD-Reihen spricht man sich für die die Ausweisung eines „verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs“ und eine Reduzierung auf Tempo 20 aus. “Damit werden die Geschwindigkeiten der verschiedenen Verkehrsteilnehmer einander angepasst, ohne dass einzelne Verkehrsarten ausgegrenzt werden”, so Budweg. Um die Qualität und Sicherheit des Radfahrens zu verbessern und damit zum Einkaufen mit dem Fahrrad zu motivieren, sei zwingend eine Verbesserung des Fahrbahnbelags erforderlich. Einen entsprechenden Antrag werde man in die SPD-Fraktion einbringen. “Auf diese Weise hoffen wir, dass sich die Aufenthaltsqualität und das Einkaufserleben deutlich verbessern.”

Datum: 31. Juli 2020, Text: Nils Michaelis, Bild: imago images/Jürgen Ritter