Berlin-Mitte: Erst aufwendig saniert, jetzt nachhaltig zerstört

Vor dem Berliner Stadtschloss: Der Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationdenkmals wird für die Einheits-Wippe durchlöchert.

Der erst vor kurzem mit Millionen-Aufwand sanierte historische Sockel des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals in Mitte soll für den Bau des umstrittenen Freiheits- und Einheitsdenkmals (das Berliner Abendblatt berichtete) teilweise zerstört werden. Grund: Hier soll die geplante begehbare Wippe im Untergrund befestigt werden. Die Arbeiten haben begonnen. Jetzt wird Protest laut, schreibt die Berliner Zeitung.

Gewölbe durchlöchert

„Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf“, empört sich Annette Ahme, Vorsitzende des Vereins Berliner Historische Mitte. Um die schwere Betonschale der Wippe im Erdreich zu verankern, müssten mehr als 20?Meter lange Bohrpfähle durch die denkmalgeschützten Gewölbe des Sockels in den Schlamm getrieben werden, „bis man irgendwo festen Grund findet“, sagt sie. Die Gewölbe würden dafür in großen Teilen durchlöchert.

„Auf den Pfeilern wird dann eine neue Betonplatte platziert, die die Wippe tragen soll“, so Ahme. „Verhindert wird mit dem Bau der Wippe, dass die wunderbaren Bodenmosaike, die so aufwendig gesichert wurden, am ursprünglichen Standort wieder eingebaut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.“ Das sei „eine Schande, weil die äußere Form des großen Mosaiks genau passgerecht für die Schlossfreiheit hergestellt wurde“.

Erfahrbares Zeugnis

Das Freiheits- und Einheitsdenkmal soll in Sichtweite zum Hauptportal des Humboldtforums errichtet werden. Kosten: 17,12 Millionen Euro. Für das neue Denkmal soll freilich massiv in die erhaltenen Reste des 1895 bis 1897 errichteten Nationaldenkmals eingegriffen werden, das auf einem etwa 76 mal 38 Meter großem Fundament stand.

Das aus Ziegeln gemauerte Fundamentgewölbe galt bereits zur Erbauungszeit als „Meisterleistung des Ingenieurbaus“, heißt es in einer Beurteilung des Landesdenkmalamts (LDA). Sie seien das letzte, auch visuell noch erfahrbare Zeugnis des Berliner Schlossbezirks und weisen auf eine den Ort bis zum Ende des 19. Jahrhunderts prägende historische Topographie hin, die hier inzwischen völlig verschwunden ist“, so das LDA.

Sofortiger Baustopp

Die Kunsthistorikerin Elisabeth Ziemer, Vorsitzende des Vereins Denk mal an Berlin, ist entsetzt. „Wie unsinnig ist es, den erhaltenen Sockel eines Denkmals samt Gewölbe zuerst zu sanieren und dann zu zerstören? Und dann auch noch das größtenteils erhaltene Bodenmosaik teuer abzubauen, einzulagern und verrotten zu lassen?“, sagt sie. Für Annette Ahme gibt es nur eine Lösung: „Wir fordern einen sofortigen Baustopp. Der Standort für die Wippe ist und bleibt grundfalsch.“

Datum: 30. Juni 2020, Text: U.Paul/red, Bild: Fritz W. Zimmermann